Wirtschaft

Konjunktur Baden-Württembergs Vorzeigebranchen Automobil und Maschinenbau schwächeln / Schwarz-Grün streitet um Hilfen

Antwort auf Abschwung gesucht

Archivartikel

Stuttgart.Stellenabbau, Kurzarbeit, düstere Prognosen: Die baden-württembergische Wirtschaft gerät zunehmend ins Stottern. So kündigte der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch in den vergangenen Tagen mehrfach drastische Stellenabbaupläne an. In Schwäbisch Gmünd sollen in den nächsten Jahren 1000 sowie in Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen zusammen 1600 Jobs wegfallen. In Bremen werden 240 Stellen in der Lenksystem-Sparte abgebaut, hieß es in der jüngsten Ankündigung von Freitag. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Bosch zunächst aus.

Kurzarbeit nicht auszuschließen

Auch der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf ließ zuletzt verlauten, er rechne mit einem Gewinneinbruch im nächsten Jahr. Arbeitszeitkonten müssten abgebaut werden, Kurzarbeit sei nicht auszuschließen. Es sind zwei Beispiele von baden-württembergischen Traditionsunternehmen, die den Ernst der Lage beschreiben. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) bereitet vor allem die Entwicklung in den Kernbrachen des Südwestens Sorge – Automobilindustrie und Maschinenbau. Bislang seien hier rezessive Tendenzen zu erkennen, sagt sie auf Anfrage dieser Zeitung.

Hoffmeister-Kraut fordert, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, um sich auf die schwieriger werdenden Zeiten vorzubereiten. Weniger Zugangshürden bei der Umsetzung von Kurzarbeit, mehr berufliche Weiterbildung oder auch eine massive Investitionsoffensive des Bundes – die CDU-Politikerin nennt eine Reihe von Maßnahmen, die aus ihrer Sicht jetzt umgesetzt werden müssten. Außerdem müsse auf allen Ebenen Bürokratie abgebaut werden.

In den beiden Stuttgarter Regierungsfraktionen wird das Thema ebenfalls kontrovers diskutiert. Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz will vor allem mit Investitionen in Forschung und Entwicklung und mit innovativen Technologien die Südwest-Wirtschaft zukunftsfest machen. Ziel müsse es sein, dass das Elektroauto der Zukunft in Baden-Württemberg entwickelt und produziert werde. Für CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart ist das Elektroauto „nur ein Teil der Zukunft“.

Bei aller Technologieoffenheit dürfe nicht vergessen werden, dass der Verbrennungsmotor ein Erfolgsmodell der Gegenwart sei. „Die Hetze gegen den Dieselmotor hat auch dazu geführt, dass die Automobilindustrie teilweise in Schieflage geraten ist“, so Reinhart.

Untermauert werden die Sorgen durch die jüngsten Konjunkturdaten des Statistischen Landesamts. So rutschte die Industrie schon im zweiten Quartal dieses Jahres ins Minus – und die reale Wirtschaftsleistung sank ersten Berechnungen zufolge um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuletzt wurde Anfang 2013 ein Quartalsminus ausgewiesen.

Vor allem die Auto- und Zuliefererindustrie meldete Rückgänge. So sanken die Auslandsumsätze im Fahrzeugbau im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent, bei der Inlandsnachfrage waren es sogar mehr als fünf Prozent weniger. Auch der Südwest-Maschinenbau verzeichnete rückläufige Umsätze.

„Schon jetzt in der Rezession“

Und wie sehen die Perspektiven aus? Eher schwierig, erklärt die L-Bank in ihrem jüngsten Konjunkturtest, für den sie monatlich mehr als 1200 Betriebe im Südwesten befragt. Zentrale Erkenntnis: Der seit einem Jahr andauernde Stimmungsabschwung der baden-württembergischen Unternehmen hat sich fortgesetzt. „Wir hatten in Baden-Württemberg im August bereits im zwölften Monat in Folge einen Auftragsrückgang“, sagt L-Bank-Chef Axel Nawrath.

Südwest-Metall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick sieht die Krise hingegen schon in einigen Branchen im Südwesten angekommen: „Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich schon jetzt in einer Rezession.“

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