Wirtschaft

Finanzen Kontaktloses Bezahlsystem per Smartphone startet noch in diesem Jahr / Die wichtigsten Fakten im Überblick

Apple Pay bald in Deutschland

Archivartikel

Frankfurt.Darauf warten Nutzer von Apple Smartphones schon lange – nun soll es bis Jahresende so weit sein. Apple Pay, der 2014 eingeführte Bezahldienst des US-Technologie-Konzerns, wird auch in Deutschland ausgerollt. Das hat Konzernchef Tim Cook angekündigt. Apple will das Feld für kontaktloses Bezahlen in Deutschland nicht Google sowie den Banken, Sparkassen und Volksbanken überlassen. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wann will Apple seinen Bezahldienst genau einführen?

Das hat Konzernchef Cook noch nicht gesagt. Es soll aber bis Jahresende passieren – ohne Banken und Sparkassen geht es aber nicht. Schließlich ist Apple kein Geldhaus, die Konten von Verbrauchern und Handel führen die Kreditinstitute. Deutsche Bank, Hypovereinsbank und die Berliner Onlinebank N26 kündigten gestern an, als Partner mit Apple zusammenzuarbeiten. Dabei sein wird auch der Zahlungsdienstleister Wirecard mit seiner App „boon“.

Was macht Apple Pay für den Verbraucher möglich?

Es geht wie bei anderen Anbietern um sogenanntes kontaktloses Bezahlen. Kunden halten ihr Smartphone mit einem Abstand von wenigen Zentimetern an das Kassenterminal und das eigene Konto wird automatisch belastet. Die Terminals müssen dazu ebenso wie das Smartphone mit einem NFC-Chip (für: Near Field Communication) ausgestattet sein. Das soll mittlerweile bei rund 400 000 der etwa 800 000 Kassenterminals in Deutschland der Fall sein. Außerdem lasen sich mit Apple Pay Einkäufe im Internet bezahlen.

Was verspricht der US-Konzern Apple-Pay-Nutzern außerdem?

Bezahlt werden kann auch mit einer Apple-Uhr. Das ist allerdings in Deutschland schon seit Juni möglich – mit einer Garmin Smartwatch und einer integrierten Kreditkarte von Mastercard über Google Pay.

Wird Apple mit seinem Bezahldienst Pay Geld verdienen?

Natürlich. In etlichen europäischen Ländern wie in Frankreich, der Schweiz, Spanien oder Österreich gibt es Apple Pay bereits. Weltweit sind es 24 Länder. Im zweiten Quartal wurden weltweit rund eine Milliarde Zahlungen abgewickelt, drei mal so wie im zweiten Quartal 2017. Jedes Mal fließt eine Provision an Apple. Händler müssen je Transaktion 0,15 Prozent abführen. Im Gegenzug sparen sie die Aufwendungen für Bargeld.

Kann jeder Betrag kontaktlos beglichen werden?

Im Prinzip schon. Bei Beträgen ab 25 Euro wird auch die Pin verlangt.

Kontaktloses Bezahlen per Smartphone ist in Deutschland nicht neu. Welche Angebote gibt es bereits?

Die Deutsche Bank ermöglicht es schon seit April vergangenen Jahres. Die Commerzbank, ihre Tochter Comdirect sowie die Onlinebank N26 bieten es zusammen mit Google Pay seit Ende Juni an. Die Sparkassen sind seit Anfang dieser Woche mit gut 300 der 385 Institute dabei – für Kunden mit Android-Smartphones. Ab Mitte August wollen 85 Prozent aller Genossenschaftsinstitute einen Bezahldienst anbieten, der Rest nach und nach 2019. Die Banken und Sparkassen lassen das Verfahren jeweils über Apps laufen, in denen die Kunden entweder ihre Girocard oder eine Kreditkarte hinterlegen.

Kontaktlos bezahlen geht aber auch ohne Smartphone, oder?

Ja. Längst sind sehr viele Girokarten und Kreditkarten mit einem NFC-Chip ausgestattet, bei den Volks- und Raiffeisenbanken etwa 14 der 27 Millionen Girokarten, bei den Sparkassen 23 Millionen. Die Großbanken sind auch schon sehr weit. Bis 2020 sollen in Deutschland 75 Millionen Bankkarten NFC-fähig sein. Bei Kreditkarten ist das fast schon Standard. Auch diese Karten muss der Kunde zum Bezahlen nur an das Terminal halten. Erkennbar ist die NFC-Fähigkeit der Karte am Funksymbol auf der Vorderseite – vier gerundete schwarzen Balken ähnlich dem WLAN-Symbol.

Ist das kontaktlose Bezahlen sicher?

Verbraucherschützern wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sind noch keine Klagen zu Ohren gekommen. Das größte Risiko dürfte aktuell im Verlust der Giro- oder Kreditkarte und des Smartphones liegen. Solange die Karten nicht gesperrt sind, sind kontaktlose Zahlungen bis 25 Euro möglich. Gleiches gilt für Smartphones. Beim Verbraucherportal Finanztip heißt es, das Ausspähen von Daten sei theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich, weil Betrüger beim Bezahlvorgang sehr nah an der eingesetzten Karte oder dem Smartphone agieren müssten.

Wie bewerten Verbraucher- schützer die Einführung von Apple Pay?

Neutral. Für viele Apple-Nutzer sei das Angebot wohl wichtig – generell könne man aber auch mit Karte kontaktlos bezahlen. Die sei im Zweifelsfall sogar schneller gezückt als das Smartphone.

Wie stark nutzen die Deutschen kontaktloses Bezahlen bislang?

Verhalten. Einer neuen Studie der ING DiBa zufolge werden Einkäufe in Deutschland gemessen am Umsatz zu 48 Prozent in bar beglichen. Girokarten kommen auf 23, Kreditkarten auf 19 Prozent. Kontaktlose Zahlungen mit Smartphones lägen im Bereich weniger Prozentpunkte.