Wirtschaft

Tarifrunde Verbandschef Wolf sieht kaum Spielraum für Lohnerhöhung / Mitarbeiter sollen Beitrag zur Weiterentwicklung der Branche leisten

Arbeitgeber bremsen Erwartungen der Metaller

Stuttgart.Einen Tag, bevor die IG Metall die Debatte über ihre Forderung für die anstehende Tarifrunde startet, mahnte der Arbeitgeberverband Südwestmetall zu Besonnenheit. „Für Lohnerhöhungen sehe ich kaum Spielraum“, sagte Verbandschef Stefan Wolf (Bild) am Mittwoch. Vorstellen könne er sich Einmalzahlungen für den Fall, dass die Konjunktur anzieht. Der Abschluss dürfe die Unternehmen aber nicht durch prozentuale Lohnsteigerungen dauerhaft belasten.

Die Branche sei in einer schwierigen Lage, betonte Wolf. Besonders in der Autoindustrie seien hohe Investitionen in die Elektromobilität notwendig, die sich erst später auszahlen. Er drehte den Spieß sogar um und forderte: „Auch die Beschäftigten müssen einen Beitrag zur digitalen Transformation leisten.“

Als zentrales Ziel für die diesjährige Tarifrunde formulierte Wolf eine grundsätzliche Verständigung mit der Gewerkschaft: „Wir müssen eine gemeinsame Sichtweise finden, wie wir unsere Industrie in den kommenden fünf bis zehn Jahren aufstellen.“ Die Unternehmen bräuchten für die Bewältigung der digitalen Transformation auf längere Sicht Planungssicherheit. Während Südwestmetall offensichtlich auf eine lange Laufzeit des Tarifabschlusses setzt, plädiert IG-Metall-Chef Jörg Hofmann angesichts der konjunkturellen Unsicherheit für eine kurze Vertragsbindung.

Beim Abschluss Anfang 2018 mit einer prozentualen Lohnerhöhung von gut vier Prozent war Baden-Württemberg Pilotbezirk. Wolf gab die Gesamtbelastung der Unternehmen mit 7,5 Prozent an und sprach von einem „falschen Abschluss“. Besonders von kleinen Unternehmen mit hohem Personalkostenanteil sei massive Kritik gekommen.

Qualifizierung als Schwerpunkt

Offen zeigte sich Wolf für die gewerkschaftliche Forderung nach einem Qualifizierungsprogramm. Viele Mitarbeiter hätten Angst um ihren Arbeitsplatz und müssten auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet werden. Der Abschluss müsse die Folgen des technischen Wandels abfedern. Roman Zitzelsberger, der Bezirksleiter der IG Metall, hatte kürzlich erklärt, der Fokus liege weniger auf der Lohnforderung als auf der Beschäftigungssicherung.

Bis Ende Februar will die IG Metall ihre Forderung endgültig festzurren. Mitte März ist die erste Verhandlungsrunde geplant. Warnstreiks könnten mit dem Ende der Friedenspflicht frühestens Ende April stattfinden. Mit einer Million Beschäftigten ist die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg die Schlüsselbranche. (BILD: dpa)

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