Wirtschaft

Hauptversammlung Aktionäre lassen Ärger über Diesel-Skandal freien Lauf / Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler kündigt erneut lückenlose Aufklärung an

Audi-Chef erklärt Manipulation zum Versehen

Ingolstadt.Angriff ist angeblich die beste Verteidigung – auch Audi-Vorstandschef Rupert Stadler (Bild) ist offensichtlich dieser Ansicht. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Ingolstadt propagierte er den neuen „Angriffs- und Transformationsplan“ des VW-Tochterkonzerns und rief eine „Revolution“ der Mobilität aus. Doch die unselige Vergangenheit holte die Audianer wieder einmal ein.

2017 war die Audi-Zentrale wegen des Dieselskandals am Tag der Jahrespressekonferenz von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. In diesem Jahr wurde unmittelbar vor der Hauptversammlung bekannt, dass erneut eine Manipulation aufgeflogen ist. Es geht um eine unzulässige Abschaltvorrichtung für die Adblue-Einspritzung des V6-Turbodieselmotors, der mit der Abgasnorm Euro 6 gerade als besonders sauber und von möglichen Fahrverboten nicht betroffen angepriesen wird.

Entgegen der Zusicherung des Audi-Vorstands gehe die Aufarbeitung des Diesel-Skandals offenbar doch nicht zu Ende, beschwerte sich Helmut Kroll von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: „Das tut weh.“ Stadler musste einräumen: „Die Dieselkrise ist für uns noch nicht abgeschlossen“, aber man arbeite „unermüdlich an einer lückenlosen Aufklärung“.

Die neuen Negativ-Schlagzeilen führte Stadler auf einen „Arbeitsfehler in einer unserer Fachabteilungen“ zurück. Dieser sei zwar „gravierend“, aber es handele sich nicht um eine neue Betrugssoftware. Vielmehr habe man versäumt, die alte zu entfernen.

„Wenn Sie nicht aufarbeiten, geht das ewig so weiter“, schimpfte Andreas Preis von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Richtung Stadler und des neuen VW-Vorstandschefs Herbert Diess. Vor dem Hintergrund des Schicksals, das Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und seinem Vermögen droht, gab er den amtierenden Top-Managern einen guten Rat: Sie sollten ihr Vermögen schon einmal vorsichtshalber ihren Frauen überschreiben.

„Gute Kompensation“

Viel lieber wollte Stadler aber über den „Angriffs- und Transformationsplan“ sprechen. Das Ziel: Audi muss sich zum „Anbieter für digitale, autonome und elektrische Premiummobilität“ umbauen. 2025 sollen 800 000 Autos mit den vier Ringen an den Mann gebracht werden, die unter der Haube einen Elektromotor oder einen Hybridantrieb haben. Ein Neuheiten-Feuerwerk soll im „Jahr des Übergangs 2018“ (Finanzvorstand Alexander Seitz) erneut für eine „gute Kompensation der Dieselthematik“ (Stadler) sorgen.

Die Premium-Konkurrenz in München und Stuttgart ist freilich den skandalgeplagten Ingolstädtern in den letzten Jahren davon gefahren, zumal Streitereien mit den örtlichen Partnern den Audi-Absatz in China im vergangenen Jahr stark beeinträchtigt haben. (BILD: dpa)