Wirtschaft

IAA Manager sprechen lieber über E-Autos als über die umstrittenen Sportgeländewagen

Auf einmal klimabewusst

Frankfurt.Haben die Auto-Hersteller verstanden? Am ersten inoffiziellen Tag der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt ist der Eindruck nicht von der Hand zu weisen. Obwohl sich die Proteste in Grenzen halten. Nur Greenpeace hat sich vor dem Messegelände mit einem riesigen schwarzen Ballon, der 2,5 Tonnen CO2 fassen soll, und einem Monster-SUV positioniert, fordert eine „Verkehrswende ohne Klimakiller“.

Profitbringer der Branche

Ob BMW-Chef Oliver Zipse, der erste Mercedes-Mann Ola Källenius, VW-Chef Herbert Diess oder Opel-Chef Michael Lohscheller: Der Begriff SUV fällt bei ihren Präsentationen am ersten Pressetag in den Frankfurter Messehallen mit fast keinem Wort. Verschämt in den Ecken stehen die dicken Autos trotzdem nicht. Schließlich sind sie, wie Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte der Universität Duisburg-Essen bei seinem Gang über die Messe sagt, die Profitbringer der Branche. Und das vermutlich noch auf Jahre. Aber sie sind damit irgendwie auch Basis für die notwendigen Investitionen von BMW, Mercedes, VW und Co. in die Elektromobilität und den Klimaschutz. „Mit E-Autos verdienen die Hersteller in den nächsten fünf Jahren nichts“, sagt Dudenhöffer. E-Autos und Klimaschutz rücken die Automanager auf der IAA in den Mittelpunkt wie selten zuvor. Der öffentliche Druck und die massive Kritik von Umweltschützer zeigen offensichtlich Wirkung.

BMW-Chef Zipse sieht den Münchner Konzern heute schon an der Spitze der Elektromobilität: „In Deutschland hat kein anderer Hersteller 2019 bislang mehr elektrifizierte Automobile verkauft als die BMW Group“, sagt er am Morgen am dicht umlagerten Stand in Halle 3. „In zwei Jahren werden wir über eine Million elektrifizierter Fahrzeuge verkauft haben“. Zipse setzt allerdings im Gegensatz zu anderen Herstellern parallel auch auf die Brennstoffzelle. Dass auch BMW massiv von SUVs lebt, sagt Zipse – natürlich – nicht. Im August hatten die X-Modelle einen Anteil von fast 50 Prozent an allen verkauften BMW-Fahrzeugen.

„Viele sind ungeduldig“

Am anderen Ende des Messegeländes hat Mercedes vor der Festhalle vor allem seine G-Modelle aufgereiht. Drinnen auf der Bühne preist Konzernchef Källenius den Wandel auch in Stuttgart: „Mercedes ist elektrisch“. Bis zum Jahresende gebe es aus Stuttgart 20 Elektro-Modelle und Plug-in Hybride. „Viele sind ungeduldig. Wir sind es auch“, verspricht er einen noch schnelleren Wandel. Die Transformation sei im Gange, sagt er vor in der Halle platzierten Bäumen. Bis 2022 werde die Fahrzeugproduktion CO2-neutral sein, bis 2030 seien mehr als die Hälfte der Mercedes-Neuwagen elektrisch. Daimler will seine Zulieferer zu einer klimaneutralen Produktion bewegen. „Das wird zu einem Vergabe-Kriterium“, sagte Daimler-Chef.

Vier Jahre nach der Aufdeckung des Dieselskandals sieht sich VW komplett neu aufgestellt. Und präsentiert in Frankfurt zum ersten Mal sein neues vermeintliches Wunder-Elektro-Auto ID. 3. Mit dem Modell, das für einen Basis-Preis von weniger als 30 000 Euro nach Überzeugung von VW-Konzernchef Herbert Diess die E-Mobilität für alle erschwinglich macht und zu einem echten „Volks“-Wagen werden soll, wollen die Wolfsburger zum Marktführer werden. Freilich: Es gibt zwar 30 000 Reservierungen für die erste, knapp 40 000 Euro Version des ID. 3. Breit verfügbar werde das Auto aber erst ab 2021, das sorgt am Stand für Kopfschütteln bei Auto-Experte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

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