Wirtschaft

Auto Die Franzosen zögern – daraufhin zieht die italienisch-amerikanische Seite ihr Angebot komplett zurück / Aktienkurse gehen in den Keller

Aus für Fusionspläne von Fiat Chrysler und Renault

Archivartikel

Boulogne-Billancourt/London.Die angestrebte Fusion von Fiat Chrysler (FCA) und Renault ist vom Tisch. Überraschend zog FCA sein Angebot in der Nacht zum Donnerstag „mit sofortiger Wirkung“ zurück. Zuvor hatte Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen.

Es sei klargeworden, dass derzeit die politischen Voraussetzungen, damit ein solcher Zusammenschluss erfolgreich sei, in Frankreich nicht gegeben seien, teilte der italienische-amerikanische Autobauer am frühen Donnerstagmorgen in einer Stellungnahme in London mit. FCA sei weiterhin davon überzeugt, dass der Fusionsvorschlag überzeugend gewesen sei und für alle Parteien Vorteile gebracht hätte, hieß es.

Gegenseitige Vorwürfe

Renault hatte zuvor mitgeteilt, eine Entscheidung über förmliche Fusionsgespräche erneut zu verschieben. Der Verwaltungsrat hatte über die Fusionsofferte beraten, konnte aber keine Entscheidung mehr treffen, da Regierungsvertreter die Verschiebung beantragten, so Renault. Die französische Seite sieht die Schuld bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer. Es habe keinen guten Grund gegeben, das Angebot so überstürzt zurückzuziehen, hieß es in der Nacht zu Donnerstag aus Regierungskreisen.

Bereits seit Beginn der Gespräche habe FCA massiven zeitlichen Druck ausgeübt und versucht, die Verhandlungen nach dem Ansatz „take it or leave it“ („nimm es oder lass es bleiben“) zu führen. Die französische Seite habe klargemacht, dass sie sich nicht derart unter Druck setzen lasse, so die Kreise.

Der Renault-Verwaltungsrat habe fünf zusätzliche Tage für Beratungen gewollt, erklärte das französische Wirtschaftsministerium von Bruno Le Maire in einer Stellungnahme am Donnerstag. Die ausdrückliche Unterstützung Nissans habe noch ausgestanden. Der Staat habe vier Bedingungen für eine endgültige Einigung zwischen Renault und FCA genannt. Von diesen seien aber nur drei erfüllt gewesen, erklärte das Ministerium. Frankreich hält rund 15 Prozent an der Renault-Gruppe.

Die Aktien beider Autobauer mussten am Donnerstag zum Handelsauftakt an den Börsen herbe Kursverluste einstecken. Die Papiere von Fiat Chrysler verloren in Mailand fast 4 Prozent auf 11,25 Euro. Für Renault ging es in Paris um rund sieben Prozent auf 52,22 Euro abwärts.

Marktführer Toyota und VW

Damit bewegen sich die Papiere der Franzosen wieder nahe des tiefsten Niveaus seit Herbst 2014, nachdem die Hoffnung auf eine Fusion mit Fiat Chrysler sie zuletzt noch über 58 Euro getrieben hatte. Die Unternehmen hätten gemeinsam zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern können. dpa