Wirtschaft

IHK-Konjunkturumfrage Unternehmen der Region schätzen ihre Lage schlecht ein / Phase des „wirtschaftlichen Abschwungs“

Aussichten bei Firmen bleiben getrübt

Archivartikel

Mannheim.Die Auswirkungen der Corona-Krise ziehen sich nach wie vor durch alle wirtschaftlichen Branchen der Rhein-Neckar-Region und wirken sich negativ auf die konjunkturelle Lage aus. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, an der sich 542 Unternehmen beteiligten. Wirtschaftliche Unsicherheiten führen nach Angaben von IHK-Geschäftsführer Axel Nitschke dazu, dass die Aussichten auf die kommenden zwölf Monate überwiegend pessimistisch beurteilt werden.

Industrie: Tiefpunkt überwunden

Nach einem Aufwärtstrend Anfang 2020 liege der IHK-Konjunkturklimaindex mit 79 Punkten 39 Prozentpunkte niedriger als zu Jahresbeginn. Damit befindet er sich zum ersten Mal seit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 unter dem Wert von 100 Punkten. Die Unternehmen der Region würden sich in einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs befinden. Insgesamt schätzen 40 Prozent der Betriebe laut Umfrage ihre Lage als schlecht ein, 20 Prozent als gut. 21 Prozent der Unternehmen mit positiven Geschäftserwartungen stehen 43 Prozent gegenüber, die davon ausgehen, dass sich ihre Situation weiter verschlechtern wird. „Im Boom der vergangenen Jahre erlebten wir einen Gleichschritt der Geschäftsentwicklungen. Das ist erst einmal vorbei“, sagt Nitschke.

Auch wenn sie nicht direkt von Schließungen betroffen waren, schätzen Industrieunternehmen der Region ihre Lage am schlechtesten ein. Der Grund: starke Umsatzeinbrüche im In- und Ausland. „Etwas verbesserte Erwartungen deuten jedoch darauf hin, dass der Sektor den Tiefpunkt der Krise überwindet“, ergänzt Nitschke. Besonders stark brechen Lage und Erwartungen bei den Dienstleistern ein. Die sinkende Inlandsnachfrage und strenge Corona-Verordnungen würden den Betrieben schwer zu schaffen machen. „Das Geschäft der Gastronomen und Hoteliers läuft schleppend wieder an, Messebauer sind seit Monaten praktisch ohne Umsätze, in den Reisebüros bleiben die Kunden aus“, nennt der IHK-Geschäftsführer als Beispiele. Im Einzelhandel melden 17 Prozent der Firmen eine gute, 50 Prozent eine befriedigende und 33 Prozent eine schlechte Situation ihrer Geschäfte. Ob sich die Kauflaune der Verbraucher durch die Mehrwertsteuersenkung verbessern wird, sei aus Sicht der Betriebe fraglich.

Die Unsicherheiten würden auch dazu führen, dass die Betriebe insgesamt zum einen ihre Investitionsabsichten senken und zum anderen Personalkürzungen planen. „Fast ein Viertel der Unternehmen – ob Dienstleister, Handel oder Industrie – geht in den nächsten zwölf Monaten von einem Beschäftigungsabbau aus.“ Die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk beträgt im Juni 5,3 Prozent und liegt damit um 1,4 Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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