Wirtschaft

Studie Immer mehr Menschen zwischen 25 und 35 entscheiden sich für ein Fahrzeug – teilweise auch über Abo-Modelle

Autokäufer wieder jünger

Archivartikel

Frankfurt.Kommt der Automarkt in Deutschland wieder stärker in Schwung, weil die Käuferinnen und Käufer jünger werden? Einer Analyse des Marktexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge ist der „Methusalem-Effekt“ mittlerweile überwunden. Er habe für die Autobauer seinen Schrecken verloren. „Seit fünf Jahren ist der anwachsende Alterseffekt gebrochen“, schreibt der Direktor des Car-Center Automotive Research. „Es sieht nach einer Wiederentdeckung des eigenen Autos in Deutschland aus.“ Das müsse freilich nicht unbedingt in Form des klassischen Eigentums passieren, sondern über moderne Wege wie etwa einen Firmenwagen oder die neuerdings immer stärker gefragten Auto-Abos.

Familiengründung gibt Impuls

Von 1995 bis 2015 war das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer in Deutschland von 46 Jahren auf knapp 53 Jahre kontinuierlich gestiegen. Seitdem stagniert es und ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres leicht auf im Schnitt 52,6 Jahre gesunken. „Nicht nur durch Corona hat das individuelle Auto neue Wertschätzung erhalten, sondern scheinbar schon deutlich vor Corona“, sagt Dudenhöffer.

Dem Auto-Experten zufolge steigen bereits seit 2013 der Anteil wie auch die absolute Zahl der Bundesbürger im Alter zwischen 25 und 35, die sich ein neues Auto zulegen – von knapp 15 Prozent und insgesamt 165 000 auf fast 17 Prozent und 235 000 im vergangenen Jahr. In den ersten neun Monaten 2020 habe der Anteil weiter bei knapp 17 Prozent und 142 000 Fahrzeugen gelegen.

Ausschlaggebend für diesen Trend sei vor allem die Gründung einer Familie. Für den Einkauf, für die Fahrt zur Kita oder zur Schule werde das Auto genutzt, verstärkt dadurch, dass Familien mehr und mehr eine – kostengünstigere – Wohnung oder Immobilie am Stadtrand oder komplett außerhalb der Städte bevorzugen. Aufgrund dessen sei in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen ein neuer Wunsch nach Autobesitz entstanden. „Auch diese Entwicklung zeigt, dass das Argument, das Auto wird zum Auslaufmodell, falsch war und ist“, behauptet Dudenhöffer. In seiner Studie berücksichtigt er allerdings nicht den deutlich wachsenden Trend zum Fahrrad, bedingt auch durch die Pandemie. Dudenhöffer glaubt auch, dass immer mehr jüngere Menschen in Firmen in leitende Stellungen kommen und dort über einen Dienstwagen verfügen.

Die Quote der Firmenwagen am Pkw-Markt in Deutschland steige immer weiter und liege aktuell bei 27,5 Prozent. Der Experte schätzt, dass bis zu 50 Prozent dieser Autos privat genutzt werden. Auch diese Entwicklung deute darauf hin, dass das Alter der Autokäufer sinke. Allerdings muss es nicht immer wirklich ein eigenes Auto sein, räumt Dudenhöffer in seiner Analyse ein. Grund sind die sogenannten Auto-Abos, die offenbar mehr und mehr genutzt werden. Für einen monatlichen Beitrag, gestaffelt nach Kilometern bei Abdeckung aller Kosten bis auf den Sprit und Autowäsche, kann der Verbraucher ein Fahrzeug fast aller Hersteller nutzen. Die Laufzeit liegt bei bis zu 18 Monaten. In diesem Jahr dürften 30 000 bis 50 000 Auto-Abos verkauft werden.

Neuwagen werden dabei auf den Auto-Abo-Anbieter zugelassen. Das Durchschnittsalter der Abonnenten liege bei 39 Jahren, was auch darauf hindeute, dass Autonutzer im Schnitt wieder jünger würden. „Und das Segment des Auto-Abos verspricht hohe Zuwachsraten.“ Mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend Abo-Anbieter – Autohersteller, Autovermieter oder eigens gegründete Unternehmen.

Dudenhöffer ist überzeugt, dass der Wunsch nach einem eigenen Auto steigt. Auch weil Autovermieter, Car-Sharing-Anbieter und öffentliche Verkehrsbetriebe mit hoher Wahrscheinlichkeit wegen der Verluste durch die Pandemie ihre Angebote einschränken dürften.

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