Wirtschaft

Konjunktur Unternehmen und Gewerkschaften machen sich bei der Bundesregierung für mehr Unterstützung stark / Experten sehen Nutzen skeptisch

Automobilbranche will leichter kurzarbeiten

Berlin.Arbeitgeber und Gewerkschaften sind sich grundsätzlich einig: Zur Abfederung des Strukturwandels in der Automobilindustrie muss die Kurzarbeit aufgewertet werden. Das wurde auch beim Auto-Gipfel am Mittwoch im Kanzleramt deutlich. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) werkelt schon länger an einem entsprechenden Gesetzentwurf.

Folgendes Szenario hat viele aufgeschreckt: Nach der Prognose einer von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission könnten im Extremfall bis zu 410 000 Jobs wegfallen, falls die deutsche Vorzeige-Branche den Anschluss bei der Umstellung auf Elektroautos verpasst. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann machte sich deshalb gestern noch einmal für die Ausweitung der Kurzarbeit stark: Der Zugang müsse für die Branche kurzfristig erleichtert werden, um die auftrags-und strukturbedingte Unterauslastung ohne Entlassungen zu überbrücken, argumentierte der Gewerkschafter.

„Langsam geht die Luft aus“

Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) drängte auf rasche Verbesserungen. „Wir hören von unseren Mitgliedsverbänden, dass den Unternehmen jetzt langsam die Luft ausgeht“, erklärte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter. Schon jetzt gewährt die Bundesagentur für Arbeit (BA) das sogenannte Kurzarbeitergeld, wenn Beschäftigte zum Beispiel aus witterungs- oder konjunkturbedingten Gründen weniger als sonst zu tun haben.

Für den Januar kalkuliert die BA insgesamt mit rund 113 000 Kurzarbeitern. Ihre Zahl war zuletzt aber sprunghaft gestiegen. Im Juni 2019 waren es erst knapp 43 000. Davon entfielen lediglich 3655 auf die Autobranche. Im September gab es in diesem Sektor aber schon 6668 Betroffene. Vor diesem Hintergrund plant der Arbeitsminister zahlreiche Neuregelungen. Unter dem verheißungsvollen Titel „Arbeit-von-Morgen-Gesetz“ soll Unternehmen dabei auch die Einführung von Kurzarbeit zusätzlich erleichtert werden.

Der Gesetzentwurf liegt allerdings schon seit Wochen auf Eis, weil er der Union zum Teil viel zu weit geht. Aus Sicht des Arbeitsmarktexperten beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Karl Brenke , macht die Ausweitung der Kurzarbeit in Kombination mit Qualifizierung nur Sinn, „wenn die Menschen damit in absehbarer Zeit in den Job kommen“. Es bleibe jedoch unklar, was die Betroffenen künftig in ihrem Betrieb machen sollten, wenn sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden, sagte Benke. „Am Ende wird damit nur die Arbeitslosigkeit verschleiert.“

Zum Thema