Wirtschaft

Rückruf Die allermeisten Halter haben ihre Diesel-Fahrzeuge in die Werkstatt gebracht / Zulassungsstellen setzen Frist für Nachrüstung

Autos ohne neue Software droht Stilllegung

Mannheim.Im Zuge des Dieselskandals haben einige Autobesitzer in der Region unerfreuliche Post von ihrer Kfz-Zulassungsstelle erhalten. Darin wird ihnen eine Stilllegung ihres Fahrzeugs angekündigt, sollten sie nicht innerhalb von vier Wochen eine verpflichtende Nachrüstung in einer Werkstatt machen und dort ein Software-Update auf ihr Fahrzeug spielen lassen. Die Kosten dafür trägt der Hersteller.

Knapp 15 000 Halter betroffen

Konkret geht es um VW-, Audi-, Seat- und Skoda-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem „EA 189“-Dieselmotor mit illegaler Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung. Im Zuge des Dieselskandals hatte es einen sogenannten angeordneten Rückruf gegeben, insgesamt 2,46 Millionen Fahrzeuge waren davon betroffen. Für den Gang in die Werkstatt wurde den Autobesitzern eine Frist von eineinhalb Jahren gesetzt, im Dezember lief diese für die ersten ab, für andere wird es in Kürze so weit sein.

Fast 96 Prozent der Halter haben ihr Fahrzeug laut Volkswagen-Sprecher Nicolai Laude mittlerweile in der Werkstatt umrüsten lassen. „Das ist für einen Rückruf viel.“ Gegenüber den Fahrzeughaltern, die trotz mehrfacher Aufforderung nicht reagiert haben, sind die Behörden nun aktiv geworden. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat – wie bei angeordneten Rückrufen üblich – den Zulassungsbehörden die Daten der Besitzer mitgeteilt. Anfang Juni waren das knapp 15 000 in ganz Deutschland. In München und Sachsen wurden bereits Fahrzeuge stillgelegt.

Die Mannheimer Zulassungsstelle hat nach Angaben eines Sprechers der Stadt „41 Halter zur Mängelbeseitigung aufgefordert“. Sechs von ihnen haben das Software-Update mittlerweile veranlasst. Da die Anhörungsfristen noch laufen, wurden bislang noch keine Stilllegungen verfügt. Auch in Ludwigshafen laufen entsprechende Verfahren, eine Zahl nannte die Stadt nicht.

Die Zulassungsbehörde Heidelberg hat bisher 15 Fahrzeughalter angeschrieben. Drei von ihnen ließen das Software-Update auf ihren Diesel aufspielen. Ein Auto wurde vom Besitzer selbst abgemeldet. Den verbleibenden elf Fahrzeughaltern hat die Zulassungsstelle noch keine Stilllegungsverfügungen geschickt. Grund ist nach Angaben einer Stadt-Sprecherin, dass das Software-Update von einigen Gerichten infrage gestellt werde. Außerdem bestünden nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe „Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Betriebsuntersagung“.

Dieses hatte im vergangenen Februar die vom Landratsamt Rhein-Neckar angekündigte Stilllegung eines Fahrzeugs beanstandet. In dem konkreten Fall fordert der Besitzer Schadenersatz von Volkswagen. Er argumentiert, dass durch das Software-Update wichtige Beweismittel zerstört werden könnten. Bis zur abschließenden gerichtlichen Klärung darf er nun sein Auto, einen VW-Amarok, ohne Update weiterfahren. Die Zulassungsstelle Rhein-Neckar prüft derweil das weitere Vorgehen. In ihrem Gebiet haben 63 Autobesitzer nicht auf den Rückruf reagiert.