Wirtschaft

Wirecard Präsident der heftig kritisierten Finanzaufsicht schließt Rücktritt aus / Commerzbank trennt sich von EY als Wirtschaftsprüfer

Bafin-Chef: Zu lange auf Formalien geschaut

Archivartikel

Frankfurt.Bafin-Präsident Felix Hufeld schließt einen Rücktritt im Zusammenhang mit Kritik an seiner Behörde im Wirecard-Bilanzskandal weiter aus. „Ich diene meinem Land und Europa. Solange mein Land und Europa mir dieses Vertrauen entgegenbringen -– und das spüre ich, und das wird mir auch sehr deutlich entgegengebracht -– werde ich meine Pflichten weiter erfüllen“, sagte Hufeld am Mittwoch bei einer Bankentagung in Frankfurt.

Der inzwischen aus dem Dax geflogene Münchener Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Formal war die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nur für einen Teil des Wirecard-Konzerns zuständig: die Wirecard Bank. „Wir haben uns selbstverständlich auch das Unternehmen Wirecard sehr genau angeschaut“, betonte Hufeld. „Wir waren an dieser Stelle nicht blind. Aber wir haben uns zu lange auf die formal korrekten Verfahren verlassen.“

Der Bafin-Chef räumte ein: „Mit dem Wissen von heute hätten wir die Staatsanwaltschaft angerufen und hätten gesagt: Verhaftet diesen Haufen Krimineller.“

Commerzbank wechselt EY aus

Unterdessen kehrt die Commerzbank kehrt ihrem Wirtschaftsprüfer EY den Rücken. „Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, der Hauptversammlung 2021 einen Wechsel des Abschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2022 vorzuschlagen“, teilte eine Sprecherin des Frankfurter MDax-Konzerns mit.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass sich das Kontrollgremium – erstmals unter Leitung des neuen Aufsichtsratschefs Hans-Jörg Vetter - mit dem Thema befassen würde. Die Prüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) steht derzeit wegen ihrer Rolle als langjähriger Abschlussprüfer der insolventen Wirecard in der Kritik. Bereits am Dienstag hatte die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS ein Engagement von EY abgelehnt. dpa

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