Wirtschaft

Finanzen Aufsicht verlangt strengere Sicherungsmaßnahmen / Externer Sonderbeauftragter eingesetzt / Institut räumt Nachholbedarf ein

BaFin: Deutsche Bank zu lasch gegen Geldwäsche

Archivartikel

Frankfurt.Die Finanzaufsicht BaFin hegt erhebliche Zweifel, ob die Maßnahmen der Deutschen Bank gegen Geldwäsche und mögliche Terrorismusfinanzierung durch Kunden ausreichend sind. Bereits am vergangenen Freitag hat sie dem Institut auferlegt, „angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten“. Es ist das erste Mal, dass die Finanzaufseher gegen eine Bank in Deutschland eine solche Maßnahme in Sachen Geldwäsche anordnen. Dazu setzt sie bei der Deutschen Bank einen externen Sonderbeauftragten ein, der über die Umsetzung der Auflagen berichten und sie bewerten soll. Die BaFin folgt damit ähnlichen Schritten der Aufseher in den USA.

Einen aktuellen Anlass für die jetzt verordnete Maßnahme gibt es dem Vernehmen nach nicht. Die von der Bank eingeleiteten Schritte gehen den Aufsehern aber offenbar zu langsam. Bei dem Sonderbeauftragten handelt es sich um die Prüfungsgesellschaft KMPG. Sie soll Experten bei der Bank einsetzen, die für zunächst drei Jahre bestellt sein sollen. Die Deutsche Bank räumte gestern ein, dass es noch Nachholbedarf bei den Prozessen zur Identifizierung von Kunden gebe: „Wir stimmen mit der BaFin darin überein, dass wir diese Prozesse in der Unternehmens- und Investmentbank weiter verbessern müssen.“ Die Bank arbeite mit der Finanzaufsicht und der KPMG als Sonderbeauftragter daran, die Anforderungen schnellstmöglich zu erfüllen. „Wir haben den Anspruch, dass die Prozesse zur Identifizierung unserer Kunden den regulatorischen Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht werden“, sagt Banksprecher Christian Streckert.

Interne Prozesse zu kompliziert

Bereits im Sommer hatte die Deutsche Bank gegenüber Aufsehern Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Kunden eingeräumt, unter anderem auch in Russland. Zugleich hatte sie aber gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters betont, „dass wir keine Probleme mit den Prozessen haben, die dabei helfen sollen, Kriminelle davon anzuhalten, Geld zu waschen oder andere Straftaten zu begehen“. Die internen Prozesse unter dem Stichwort KYC (Know your Customer – Kenne Deinen Kunden) müssten aber verbessert werden, sie seien zu kompliziert.

Bereits im Sommer soll sich die Bank mit Vertretern der BaFin und der EZB wegen der Probleme getroffen haben. Vorstandschef Christian Sewing hatte im Juni in einem Brief an die Beschäftigten die Defizite eingeräumt. Die Schwächen seien über Jahre entstanden. „Wir sind zwar noch nicht da, wo wir sein wollen, aber kommen allmählich dahin“, betonte Sewing im Juni.