Wirtschaft

Pandemie Konzern zieht erste Bilanz nach Maßnahmen zur Virus-Eindämmung / Zugfahren für sicher erklärt

Bahn sieht kein erhöhtes Infektionsrisiko

Berlin.Nach sechs Monaten Pandemie fiel die Zwischenbilanz der Deutschen Bahn beruhigend aus: „Wir haben kein erhöhtes Risiko in unseren Zügen“, erklärte DB-Personalvorstand Martin Seiler. Doch die Seuche ist noch nicht vorbei. Und die Auslastung der Züge nimmt laut Konzern wieder zu. Ist Bahnfahren tatsächlich so sicher? Ein Überblick.

Infektionen und Tests

Die Bahn verwies auf verschiedene Studien, wonach es keine Corona-Fallhäufung wegen der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gebe. Auch das Robert-Koch-Institut sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Virus in Bussen und Bahnen nur selten übertragen werde. Das Unternehmen hat zusammen mit der Berliner Charité die Situation im Konzern unter die Lupe genommen: So wurden rund 600 Zugbegleiter im Fernverkehr getestet und die Ergebnisse mit denen von etwa genauso vielen Lok-Führern und Werkstatt-Mitarbeitern mit deutlich weniger Kontakten verglichen. Bei allen Getesteten sei ein Corona-Fall eines Werksmitarbeiters registriert worden, hieß es. Bei den Zugbegleitern hatten 1,3 Prozent Antikörper im Blut – waren also schon einmal infiziert. In der Vergleichsgruppe war der Anteil gut doppelt so hoch.

Maskenpflicht

Die Kontrollen seien deutlich verstärkt worden, so die Bahn. Auch wenn manche Zugreisende einen anderen Eindruck haben, laut Konzern halten sich 95 Prozent der Fahrgäste an die bestehende Maskenpflicht. Die Zahl resultiert aus Beobachtungen in 120 Fernverkehrszügen. Konkretere Zahlen, wie viele Verweigerer es im Nah- und Fernverkehr tatsächlich gibt, wie oft die Bundespolizei einschreiten musste oder Gäste des Zuges verwiesen wurden, gibt es jedoch nicht.

Reservierungspflicht

Die Bahn ist dagegen. Sinnvoll sei die Maßnahme nur, wenn man 1,50 Meter Abstand zwischen jedem Fahrgast lasse. Doch damit, so Huber, entziehe man dem System 75 Prozent der Sitzplätze. Die Bahn brauche aber mehr Kapazität, weil die Auslastung ihrer Züge wieder steigt – derzeit liegt sie bei 40 Prozent. Außerdem verhindere eine Reservierungspflicht Flexibilität. So gebe es etwa 100 000 Pendler täglich im Fernverkehr.

Klimaanlagen

Die Sorge, dass man sich durch die Verbreitung des Virus über Klimaanlagen infizieren könnte, ist laut Bahn unbegründet. Vielmehr seien sie „Teil der Lösung“, so Huber. Erstens würden die Anlagen die Luft von oben nach unten ziehen und dann aus dem Zug leiten, so dass sich Aerosole nicht lange in der Luft halten könnten. Zweitens werde spätestens alle sieben Minuten einmal die komplette Frischluft in einem Waggon ausgetauscht. „Insofern verhindern Klimaanlagen das Risiko, sich anzustecken“, sagte Huber. 

Zum Thema