Wirtschaft

Tarif Konzern einigt sich auch mit Lokführergewerkschaft GDL / Eigenes Regelwerk zum Thema Erreichbarkeit ausgehandelt

Bahnstreiks bis 2021 vom Tisch

Frankfurt.Zum ersten Mal seit 2002 haben sich Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL in der Nacht zu gestern in Frankfurt ohne vorausgegangene Streiks und ohne Schlichtung auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Die Vereinbarung läuft bis Ende Februar 2021 – bis dahin müssen Bahnfahrer keine Streiks fürchten. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler und GDL-Chef Claus Weselsky werteten den Abschluss für beide Seiten als Erfolg. Er entspricht dem Tarifvertrag, den die Bahn im Dezember mit der Eisenbahnergewerkschaft EVG geschlossen hatte.

„Unanfechtbarer Anspruch“

Zusätzlich verständigten sich Bahn und GDL unter dem Schlagwort „Schalt mal ab“ auf Regelungen zur Erreichbarkeit und damit zur klaren Trennung von Berufs- und Privatleben. Künftig besteht für das Zugpersonal keine Pflicht mehr, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein. E-Mails des Arbeitsgebers müssen sie dann nicht mehr abrufen und einsehen, Anrufe nicht annehmen. Hier habe man eine strikte Abgrenzung ausgehandelt und sei damit sicher Vorreiter für andere Branchen, in denen ebenfalls rund um die Uhr im Schichtbetrieb gearbeitet werde, sagte GDL-Chef Weselsky.

„Wir haben eine messerscharfe Trennung von Arbeit und Freizeit erreicht“, sagte er. Es bestehe ein „unanfechtbarer Anspruch auf Nicht-Erreichbarkeit“. Da die Kommunikation in der Vergangenheit völlig ungeordnet verlaufen sei, rechne er aber mit einer längeren Eingewöhnungsphase. Weselsky zeigte sich mit dem Gesamtergebnis „außerordentlich“ zufrieden. Trotz mancher Turbulenzen seien die Verhandlungen überwiegend konstruktiv und in einer sachdienlichen und lösungsorientierten Atmosphäre verlaufen, meinte er rückblickend.

Seiler sagte, am Schluss sei die Verständigung noch ein „hartes Stück Arbeit“ gewesen. Das Ergebnis sei eine gute Botschaft für die Bahnkunden und eine Wertschätzung für die Beschäftigten des Unternehmens. Teil des ausgehandelten Tarifwerks ist ein Verdienstanstieg für Berufseinsteiger bei den Lokführern. Das Entgelt steigt zum 1. Juli 2019 von derzeit 2740 auf 2950 Euro.

„Beide Seiten sind sich darüber einig, dass dies ein wichtiger Schritt ist, um die Attraktivität zu steigern und dadurch dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen“, betonte Weselsky. Deutschlandweit fehlen nach seinen Worten derzeit 1500 Lokführer. Er verwies zudem darauf, dass das Volumen bei den Zulagen um 1,5 Prozent steige. „Das ist besonders wichtig für Menschen, die rund um die Uhr jeden Tag Jahr für Jahr unterwegs sind“.

Imagekampagne für Berufe

Angesichts des Personalmangels – die Bahn will in diesem Jahr wie 2018 nach Angaben von Seiler erneut rund 20 000 Mitarbeiter neu einstellen, darunter 1000 Lokführer – haben sich beide Seiten auf die „Zukunftsinitiative Zugpersonal“ verständigt. Die Berufsbilder bei der Bahn sollen weiter entwickelt und den neuen Arbeitswelten und der Digitalisierung angepasst werden. „Am Ende heißt das für unser Klientel nichts weiteres als lebenslanges Lernen“, sagt Weselsky.

Unter anderem planen beide Seiten eine Imagekampagne, mit der man für die Berufe des Zugpersonals werben möchte. Schließlich müssten in den nächsten Jahren auch massiv Beschäftigte ersetzt werden, die aus Altersgründen ausscheiden. Weselsky zufolge konnte die GDL in den Verhandlungen auch durchsetzen, dass zukünftig auf jedem ICE neben dem Lokführer mindestens zwei Betriebseisenbahner mit entsprechender Qualifikation und auf jedem IC mindestens ein Betriebseisenbahner einzusetzen sind.