Wirtschaft

Lebensmittel Mannheimer Marke soll zweistelligen Millionenbetrag bringen / Suntat hat eigenen Angaben zufolge kein Kaufinteresse

„Baktat“ steht zum Verkauf

Mannheim.Die Mannheimer Lebensmittelmarke Baktat steht zum Verkauf. Aus einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ („LZ“) geht hervor, dass die drei Söhne des in den 90er Jahren verstorbenen Unternehmensgründers Muharrem Baklan mit dem Verkauf der Marke einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen wollen. Das bestätigte auch Unternehmensberater Daniel Möhrke, der für den Verkauf zuständig ist, auf Anfrage dieser Redaktion. Die Erben des Gründers hatten zuvor jahrelang mit ihrem Onkel Mustafa Baklan um die Rechte der Marke gekämpft.

Hoffnung auf Synergieeffekte

Özgür Baklan hat sich mit seinen beiden Brüdern aus strategischen Gründen für den Verkauf der Marke beziehungsweise Markenlizenzen oder einzelnen Warengruppen entschieden, teilt er mit. „Über die Vertriebswege anderer Großkonzerne können so Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaftet werden“, erklärt er.

„Das mit den Lizenzen kann man sich so vorstellen“, sagt Özgür Baklan: „Ein Getränkehersteller möchte beispielsweise eine türkische Limonade vertreiben und kauft dazu eine Lizenz von Baktat. Dann können wir zusammen an der Rezeptur arbeiten und die Limonade über die Vertriebswege des Herstellers, aber unter dem Markennamen Baktat verkaufen.“ Durch den Verkauf von Warengruppen oder eben Lizenzen erhoffe man sich Synergieeffekte.

Beim Konkurrenten Suntat sieht man das alles anders: „Dass die Erbengemeinschaft mit der Marke nicht viel machen könnte, war uns von Anfang an klar“, schreibt ein Unternehmenssprecher. Der Streit in der Familie nach der Übertragung der Markenrechte ist zudem noch immer aktuell. Mit immer neuen Klagen versuche Mustafa Baklan, „der Erbengemeinschaft die Markenrechte wieder streitig zu machen“, wird der Anwalt der Erben, Ulrich Hildebrandt, in der „LZ“ zitiert. Diese Versuche hätten aber kaum Erfolgschancen.

Trotzdem, heißt es weiter in der „LZ“, würden die Klagen des Onkels die Baktat-Geschäfte vor allem im europäischen Ausland erschweren. In Deutschland liefen Produktion und Vertrieb unter der Marke Baktat nach Angaben von Hildebrandt dagegen weitgehend ungestört.

„Der Erbengemeinschaft steht nach dem Urteil des OLG Karlsruhe das Recht an der Marke innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik zu“, heißt es vonseiten Suntats. „Außerhalb Deutschlands stehen die Markenrechte der Unternehmensgruppe der Gebrüder Baklan zu.“ Die türkische Gesellschaft der Unternehmensgruppe habe die Erbengemeinschaft vor dem Landgericht Mannheim auf Herausgabe der deutschen Marke verklagt. Man sei zuversichtlich. „Insoweit muss die Erbengemeinschaft selbst wissen, welche Risiken sie eingeht.“

Man habe seit drei Jahren mit Mustafa Baklan mehr als 50 Prozesse geführt, sagt Özgür Baklan. „Und wir haben alle wichtigen gewonnen – die Bestrebungen meines Onkels sind also alle unfruchtbar.“

Die Neffen konnten mit ihrer Marke Baktat nicht an den Erfolg ihres Onkels anknüpfen. Mustafa Baklan habe die Umsätze der Marke laut Hildebrandt in etwa verdoppelt. Den Neffen sei eine ähnlich positive Entwicklung nicht gelungen, sagt Carl-Richard Haarmann im „LZ“-Bericht. Er vertritt Mustafa Baklan im Familienstreit. Produkte der Marke Baktat werden momentan zwar angeboten, nennenswerte Umsätze würden aktuell allerdings nicht erzielt, so der Baktat-Berater Möhrke.

Nachdem Mustafa Baklan jahrelang um die Marke Baktat gekämpft hat, könnte das für ihn nun die Chance zum Zugreifen sein. Interesse habe er jedoch keines. „Ein Zukauf oder ein Rückgängigmachen des Re-Brandings von Suntat zurück zu Baktat macht für ihn keinen Sinn“, wird der Anwalt der Firma in der „LZ“ zitiert. Der Umsatz der Suntat-Firmengruppe betrug eigenen Angaben zufolge 2020 in den ersten drei Quartalen 155 Millionen Euro.

Mit der Marke Suntat sponsert die BLG Kardesler Gesellschaft zudem den Mannheimer Fußball-Drittligisten SV Waldhof. Das Logo, eine Sonne zusammen mit dem Markennamen, ist auf den Trikots der Mannschaft abgebildet.

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