Wirtschaft

Studie Organisation Facing Finance moniert Beteiligungen an Konzernen, die in Krisenregionen tätig sind / HeidelbergCement reagiert auf Kritik

„Banken müssen Völkerrecht berücksichtigen“

Frankfurt/heidelberg.Deutsche Geldhäuser laufen Gefahr, mit ihren Beteiligungen an und Krediten für Banken, Bau-, Energie-, Transport- und Tourismus-Unternehmen, die in den Palästinensischen Gebieten, in der Westsahara und auf der Krim aktiv sind, völkerrechtswidrige Handlungen zu unterstützen.

Davon ist die kritische Organisation Facing Finance überzeugt, die Geschäftsbeziehungen von deutschen Groß-, Landesbanken, Sparkassen und Fondsgesellschaften zu solchen Unternehmen untersucht hat. Damit hielten sie sich nicht an ihre eigenen Vorgaben und Standards.

„Nicht nur Unternehmen, sondern auch ihre Finanzdienstleister müssen die Normen des humanitären Völkerrechts in Bezug auf den Schutz der Menschen in besetzten und annektierten Gebieten berücksichtigen“, sagt Thomas Küchenmeister, Vorstand von Facing Finance. Die Studie nennt 27 internationale Unternehmen, die in den besetzten oder annektierten Gebieten tätig seien, unter anderem HeidelbergCement, DHL und Siemens.

15 deutsche Kreditinstitute und Finanzdienstleister werden aufgeführt, die größten Finanzengagements im Milliardenbereich werden der Deutschen Bank sowie der Commerzbank zugeschrieben. Aber auch die staatliche Förderbank KfW wird genannt.

Steinbruch im Palästinensergebiet

Kritisch bewertet Facing Finance diese Geschäftsbeziehungen, weil damit unter anderem Landnahmen, die Zerstörung von Wohnhäusern der Bevölkerung in besetzten Gebieten oder die Ausbeutung von Ressourcen wie Wasser zum Nachteil der Menschen finanziert würden.

Konkret nennt die Studie etwa HeidelbergCement, deren Aktien zum Teil auch bei Deutscher Bank, Commerzbank, der DekaBank oder der Landesbank Baden-Württemberg liegen und die Kredite an das Unternehmen vergeben haben. HeidbergCement sei über die Tochtergesellschaft Hanson Israel etwa mit einem Steinbruch in den palästinensischen Gebieten aktiv. Zwei Werke seien mittlerweile geschlossen, so Facing Finance.

HeidelbergCement will den Steinbruch verkaufen, betont in einer Stellungnahme gegenüber der Organisation aber auch, die lokale Bevölkerung in den besetzten Gebieten würde so weit wie möglich in die Geschäftsaktivitäten einbezogen und profitiere von den Arbeitsplätzen. Zwei Drittel der Mitarbeiter im kritisierten Steinbruch seien Palästinenser, mit Löhnen auf demselben Niveau israelischer Kollegen. Der Steinbruch war mit der Übernahme des britisch-australischen Hanson-Konzerns 2007 zu HeidelbergCement gekommen. Seitdem war der Konzern immer wieder von Menschrechtsorganisationen kritisiert worden – ebenso wie für eine Tochter, die an einem Mahlwerk in der von Marokko beanspruchten Westsahara beteiligt ist. Auch hier betont das Unternehmen, dass etwa zwei Drittel der Mitarbeiter aus der lokalen Bevölkerung stammten. Zudem gebe es zahlreiche Umwelt- und Sozialprojekte des Mahlwerks, von denen die Bevölkerung profitiere. Facing Finance beharrt darauf, dass Heidelberg Cement und indirekt auch die Banken gleichwohl den umstrittenen Anspruch Marokkos auf die Region legitimiere.

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