Wirtschaft

Konjunktur Verband der Chemischen Industrie zeigt sich mit Umsatzsteigerung auf fast 195 Milliarden Euro zufrieden, stimmt aber dennoch auf turbulente Zeiten ein

BASF-Chef warnt vor „politischen Risikofaktoren“

Frankfurt.Ein unerwartet gutes Jahr mit einem kräftigen Umsatzplus und dem höchsten Stand der Beschäftigung seit 13 Jahren – Kurt Bock (Bild), Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und Vorstandschef der BASF, zeigte sich gestern in Frankfurt zufrieden mit der Bilanz des zu Ende gehenden Jahres. „Es war ein rundum gutes Jahr für die deutsche Chemie.“ Die Produktion legte um 2,5 Prozent zu, der Umsatz kletterte sogar um 5,5 Prozent auf fast 195 Milliarden Euro, die Anlagen waren mit fast 87 Prozent nahezu voll ausgelastet und die Zahl der Beschäftigten stieg um ein Prozent auf 451 500. Auch die Aussichten für 2018 sind gut: Die Produktion soll um weitere zwei Prozent steigen. „Und der Umsatz sollte um drei Prozent zulegen und damit erstmals die Schwelle von 200 Milliarden Euro erreichen“, sagt Bock.

Vor Jahresfrist hatte der VCI-Präsident noch sehr skeptisch auf 2017 geblickt. Doch dann habe sich das Bild in diesem Jahr von Monat zu Monat aufgehellt, sagte Bock gestern, so dass der Umsatz am Ende zehn Milliarden höher liegt als erwartet, bedingt allerdings auch durch um drei Prozent höhere Preise. Im Inland legte der Umsatz um 4,5 Prozent auf 74,4 Milliarden zu, im Ausland sogar um 6,5 Prozent auf 120,4 Milliarden Euro. Vor allem in Europa und in Asien seien die Geschäfte sehr gut gelaufen, in Nordamerika gut.

Anspruchsvolle Personalsuche

Schwierig war es vor allem wegen Brasilien in Lateinamerika. Angesichts der positiven Erwartungen für das neue Jahr sieht es nach Angaben von Bock auch bei den Arbeitsplätzen gut aus. „Die freien Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen, wird aber angesichts der demografischen Entwicklung immer anspruchsvoller“, sagt der BASF-Chef.

Ganz sorgenfrei blickt er aber nicht in die Zukunft, auch wenn bei den Unternehmen die Zuversicht überwiege. Schließlich scheine der Aufwärtstrend in Europa robust. „Zahlreiche politische Risikofaktoren geben aber Anlass, sich auf weiterhin sehr turbulente Zeiten einzustellen.“ Dazu gehört für Bock die immer noch fehlende neue Bundesregierung und die Frage, wie sie künftig die Wirtschafts-, Energie- und Klimapolitik gestalten wird. Sorgen macht er sich mit Blick auf die Verhandlungen über den Brexit. Schließlich sei Großbritannien ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für die deutschen Chemie-Firmen. 2016 hätten sie für fast 12 Milliarden Euro Produkte auf die Insel exportiert. Zufrieden ist Bock mit der Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre. „Das ist ein sehr gutes, verlässliches Produkt.“ Dass es besonders krebserregend ist, bestreitet Bock. Das sei ähnlich wie bei rohem Fleisch oder bei Kaffee. Gleichwohl forsche die Industrie intensiv an Alternativen. „Wir brauchen aber weiter den Dialog mit allen Beteiligten“, sagt Bock. (BILD: dpa)