Wirtschaft

Vom Schutz gegen das Virus profitieren nicht nur Pharmakonzerne – sondern auch andere Unternehmen

Behälter, Logistik, Kühlung: Zulieferer der Impfungen

Archivartikel

Bonn/Melsungen.Die massenhaften Impfungen gegen Covid-19 sind ein Milliardengeschäft. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können sich nicht nur die Impfstoff-Hersteller, sondern auch andere Firmen über mehr Geld in den Kassen freuen. Ein Überblick, welche Unternehmen gewissermaßen als Zulieferer von den Impfungen profitieren.

Logistiker

Die Impfstoffe müssen von den Produktionsstätten bis zu den Impfzentren oder zu den mobilen Einsatzteams gelangen. Das geschieht in mehreren Schritten, bei denen zwischenzeitlich immer wieder die Lagerung bei zweistelligen Minusgraden nötig ist. Für Logistiker ist das eine Herausforderung – und ein Zusatzgeschäft von bisher nicht bekannten Ausmaßen, schließlich mussten noch nie Impfstoffdosen für so viele Menschen möglichst schnell von A über B nach C transportiert werden. Logistikriesen wie die Deutsche Post DHL und Kühne + Nagel buhlen um Aufträge und melden erste Erfolge. Das Weinheimer Logistikunternehmen Trans-o-flex ist bereits offizieller Partner der zivilen Notfallversorgung der Bundesrepublik Deutschland. Mit diesem Status verpflichtet sich das Unternehmen, dem Bund für die Notfallversorgung der Bevölkerung Transportkapazität für Medikamente und medizinische Güter zur Verfügung zu stellen.

Gefrierschrank-Hersteller

Alle Impfstoffe müssen gekühlt werden – das Präparat von Biontech und Pfizer bei minus 70 Grad, das Produkt von Moderna bei minus 20 Grad. Schaumaplast aus Reilingen bei Hockenheim beispielsweise arbeitet schon seit Sommer an speziellen Verpackungen, damit Impfstoffe sicher transportiert werden können. Mitarbeiter haben freiwillig Überstunden geleistet. Auf dem westlichen Markt – also Europa und den USA – gibt es gut ein Dutzend Anbieter, die wie Schaumaplast in der Lage sind, größere Mengen an Kühlverpackungen herzustellen.

Fläschchen-Fabrikanten

Für die deutschen Medizintechnik-Zulieferer Gerresheimer aus Düsseldorf und Schott aus Mainz wird der Corona-Impfstoff zum Milliardengeschäft – allerdings nicht in Euro, sondern in Bezug auf ihre Fläschchen und Impfdosen. So rechnet Gerresheimer bis Ende 2022 mit dem Verkauf von bis zu einer Milliarde Injektionsfläschchen, in denen bis zu zehn Dosen aufbewahrt werden können. Pro Fläschchen nimmt Gerresheimer grob gesagt vier bis fünf Cent – maximal 50 Millionen Euro Umsatz wären also für zwei Jahre möglich, was im Verhältnis zum Konzern-Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro (2019) ein kleiner Betrag ist. Konkurrent Schott will Fläschchen für rund zwei Milliarden Impfdosen bis Ende dieses Jahres liefern. Ein weiterer Wettbewerber ist Stevanato aus Italien.

Spritzen-Hersteller

Bei den Impfungen werden auch große Mengen an Einmalspritzen und Kanülen benötigt. Die Nachfrage hiernach sei stark gestiegen, heißt es vom Medizintechnik-Zulieferer B. Braun aus dem hessischen Melsungen. Auch Desinfektionsmittel, Schutzausrüstung und Kochsalzlösungen, die im Rahmen der Impfungen genutzt werden, verkauft die Firma. Um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten, hat B. Braun seine Kapazitäten ausgebaut.

Messen

Eigentlich wurde die Messelandschaft heftig durch die Corona-Krise getroffen. Die allermeisten Branchentreffs fielen aus, entsprechen groß waren die Umsatzeinbußen. Immerhin konnten jetzt einige Messen Hallen als Impfzentren vermieten, etwa in Berlin, Karlsruhe, Köln oder auch die MAG Mannheimer Ausstellungs-GmbH mit dem Maimarktgelände. Dafür bekommen sie Miete und werden zudem für Dienstleistungen beim Aufbau und Betrieb bezahlt. Ein Sprecher der Kölner Messe sagt, das Impfzentrum trage „natürlich auch positiv zum Umsatz bei“. Wichtig sei aber auch, dass man zur Rückkehr in die Normalität beisteuere. 

Zum Thema