Wirtschaft

Chemie Arbeitgeberverband weist höhere Gehaltsforderungen zurück – Gewerkschaft IG BCE reagiert verständnislos / Erste Tarifrunde ohne Einigung

„Beschäftigte spüren, wie der Laden brummt“

Archivartikel

Rhein-Neckar/Hannover.Die erste bundesweite Runde der Tarifverhandlungen für die 580 000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche ist ergebnislos vertagt worden. Ein substanzielles Angebot der Arbeitgeberseite sei ausgeblieben, moniert die Gewerkschaft IG BCE. Nach Angaben des Mannheimer Bezirksleiters Detlef Stutter sind deshalb nächste Woche „Aktionen in Betrieben“ geplant. Sie sollen unter dem Motto „Du bist mehr wert“ stehen.

„Ein dauerhafter Anstieg der Gehälter ist gerechtfertigt, trotz der Einwände der Arbeitgeber“, erklärt Gunther Kollmuß, Leiter des IG BCE-Bezirks Ludwigshafen. Die Gewerkschaft drängt auf einen Entgelt-Aufschlag von sechs Prozent, beim Urlaubsgeld auf ein kräftiges Plus sowie auf bessere Arbeitsbedingungen. Ein Vorschlag der IG BCE lautet, die Beschäftigten zwischen mehr Urlaubsgeld und mehr Freizeit wählen zu lassen. So könne jeder Mitarbeiter entscheiden, was ihm persönlich am meisten bringe, sagt Kollmuß.

Die Arbeitgeber sind davon wenig begeistert. Sie verweisen auf Konjunktursorgen. „Die größte Hürde ist und bleibt das Geld; die IG BCE setzt weiter die rosarote Konjunkturbrille auf und bewegt sich keinen Millimeter von ihrer hohen Forderung herunter“, kritisiert der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes BAVC, Georg Müller. Der Mannheimer Gewerkschafter Stutter zeigt sich davon irritiert. In der Branche laufe es rund, sagt er. Rückendeckung bekommt Stutter von dem IG BCE-Verhandlungsführer Ralf Sikorski: „Die Beschäftigten spüren am eigenen Leib, wie sehr der Laden brummt.“

Gedrosselte Produktion

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hebt dagegen hervor, die Branche bekomme den nahenden Brexit und internationale Handelskonflikte allmählich zu spüren. Einige Kundenbranchen hätten im ersten Halbjahr aus Verunsicherung die Produktion leicht gedrosselt, andere stagnierten. Zwar rechne kaum jemand mit einem baldigen Abschwung. Doch vieles deute darauf hin, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr nachlassen werde, erklärt der VCI-Präsident und ehemalige BASF-Vorstandschef Kurt Bock. „Insbesondere die Exporterwartungen sind nicht mehr so positiv wie zu Jahresbeginn.“

Die nächsten Verhandlungen sind für 19. und 20. September geplant. (mit dpa)

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