Wirtschaft

Müll Deutsche bei Trennung für die Restmülltonne nachlässig

Bio wandert immer noch in die Tonne

Archivartikel

Berlin.Die Experten des Umweltbundesamtes in Dessau haben in den letzten zwei Jahren buchstäblich im Müll herumgewühlt, genauer gesagt in Restmülltonnen. Sie wollten 35 Jahre nach der letzten Untersuchung und 20 Jahre nach Einführung des dualen Systems wissen, in welchem Umfang der Abfall sortiert wird. Das Resultat: Die Deutschen werden ihrem Ruf als fleißige Getrenntmüllsammler gerecht – sind aber noch längst nicht gut genug. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Studie.

Wie hat sich die Müllmenge verändert?

Vor 35 Jahren landeten pro Jahr und Einwohner noch 239 Kilogramm Abfall in den Restmülltonnen. Jetzt sind es nur 128 Kilogramm, also fast eine Halbierung. Dabei hat sich die Müllmenge aber insgesamt kaum verringert. Der Rückgang geht fast ausschließlich darauf zurück, dass vor allem Papier und Verpackungsmaterial (107 Kilogramm pro Einwohner und Jahr) und Elektroartikel (neun Kilogramm) heute in die Recyclingsysteme gegeben werden.

Woraus besteht der Restmüll?

Immer noch gehören zwei Drittel der untersuchten Menge (86 Kilo oder 67,4 Prozent) eigentlich nicht in die schwarzen Tonnen zur Verbrennung, sondern in andere Müllverwertungssysteme. Den Hauptanteil der Fehlentsorgung machen mit fast 40 Prozent Bioabfälle aus.

Gibt es regionale Unterschiede?

Das Mülltrennungsverhalten ist in allen Regionen ziemlich gleich. Die meisten Trennmuffel leben in Großstädten, wo die Restmüllmenge je Einwohner 151 Kilogramm beträgt. Während sie in ländlichen Gebieten bei 124 Kilogramm und in Kleinstädten und Siedlungen bei 110 Kilogramm liegt.

Was plant die Politik?

Das Umweltministerium erklärte bei der Präsentation der Studie am Dienstag in Berlin, man befinde sich in Gesprächen mit den Kommunen, um eine Lösung für den Bioabfall zu finden. Die Dichte an Biotonnen müsse vor allem in den Städten deutlich erhöht werden, denn organische Abfälle aus dem Haushalt würden anders als Gartenabfälle von den Bürgern nicht zu den Recyclinghöfen gebracht. Zudem sollen die Bürger mit Aufklärungskampagnen sensibilisiert werden, auch dazu, Bioabfälle nicht mit Plastik oder anderen Materialien zu verunreinigen. Bei Elektrogeräten ist die Erweiterung der Rücknahmepflichten schon beschlossen.

Was wurde untersucht?

Die Umweltforscher durchsuchten insgesamt 2800 Mülltonnen in 14 Regionen zwischen September 2017 und April 2020. Es war die erste derartige Analyse seit 1985.

Info: Komplette Studie unter www.umweltbundesamt.de

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