Wirtschaft

Technik Fraunhofer Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie stellt ihren Hybrid-OP-Saal im UMM vor

Biopsie und Katheter-Legung per Roboter

Mannheim.Der experimentelle OP-Saal im Mannheimer Uniklinikum (UMM) wirkt teils vertraut, teils futuristisch. Einerseits finden sich in ihm klassische OP-Utensilien wie Spiegel und Besteck. Andererseits sieht man unter anderem ein Röntgengerät an einem Roboterarm. Das Modell heißt „Artis Zeego“. „Damit können dreidimensionale Daten von einem Patienten erzeugt werden, ohne dass er aufgeschnitten werden muss“, erläutert Jan Stallkamp, Leiter der Fraunhofer Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB). „Artis Zeego“ ist bereits zwei Mal in der UMM im echten Einsatz am Patienten: in der Radiologie und in der Chirurgie.

Arzt muss noch die Nadel setzen

Im Rahmen des Mannheimer Innovationsfestivals innomake stellt die PAMB in einer virtuellen Führung ihren Hybrid-OP-Saal vor. In diesem können medizintechnische Entwicklungen und Prozesse frühzeitig erprobt werden – dabei werden Phantome, also nachgebaute Körperteile, genutzt. Auch Ärzte des UMM können den Umgang mit robotischen Assistenzsystemen üben, wie Jan Stallkamp im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt.

Den Biopsieroboter „Guidoo“ bringt die PAMB frisch auf den Markt. Mit ihm soll in Zukunft eine Biopsie effizienter und präziser durchgeführt werden können. Dabei wird in den Bilddaten ein Zielpunkt eingetragen; eine Nadelhülse wird an die entsprechende Stelle des Phantoms gesetzt. Nur die Nadel einführen – das müssen Mediziner noch selbst. „Die Königsklasse wäre natürlich, dass der Roboter auch die Nadel in den Patienten schiebt“, so Stallkamp. Das gehe bislang nur im Labor. „Ein Arzt hat ein Gespür, wenn etwas nicht stimmt, etwa wenn Widerstände da sind. Dieses intuitive Wissen kann noch nicht ersetzt werden.“ Doch der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) könnte dies in der Zukunft ändern.

Ein weiterer künftiger Einsatzbereich von KI in der Medizin ist das Legen von Kathetern beziehungsweise das Einsetzen von Stents in Venen. Im Hybrid-OP wird mit einem Gefäßphantom getestet: Der Guidewire Manipulator kann Katheter so bewegen wie ein Arzt. Der Algorithmus der KI, der dies steuert, kann nach 5000 Durchläufen souverän einen Katheter legen, wie Tobias Bähr von der PAMB erklärt: „Bis die Technologie am Menschen genutzt werden kann, wird allerdings noch viel Zeit vergehen.“ In Zukunft könnten so Behandlungen beschleunigt, schwierige erst ermöglicht werden.

Die fortgeschrittene Technik nützt jedoch nichts, wenn das Set-up im OP-Saal lange aufgebaut werden müsse, so Stallkamp. Auch dafür hat die PAMB eine Lösung entwickelt: Damit etwa Objekte und medizinisches Personal nicht kollidieren, kann der OP-Aufbau simuliert werden – mit Hilfe einer Brille, durch die der Saal digital dargestellt wird.

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