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Finanzen Die Krypto-„Währung“ hat zuletzt rapide zugelegt – Experten warnen aber: Kleinanleger können viel Geld verlieren

Bitcoin-Höhenflug lockt Anleger

Archivartikel

Frankfurt.Bei manchen leuchten in den Augen die Dollar-Zeichen, besser gesagt das Bitcoin-Symbol. Zu Jahresbeginn kletterte der Preis der weltweit wichtigsten Krypto-„Währung“ auf fast 35 000 Dollar. Am Donnerstag überstieg er sogar die Marke von 39 000 Dollar. Auch andere Kryptos wie Ethereum und Litecoins schwingen sich derzeit immer wieder auf neue Rekordhöhen.

Wer im Frühjahr 2020 bei Bitcoins eingestiegen ist, liegt gut im Rennen. Damals kostete ein Bitcoin nicht einmal 4000 Dollar. Und wer von Anfang an, also seit 2011 dabei ist, kann absolut gelassen bleiben. Da war ein Bitcoin für gerade mal acht Dollar-Cent zu haben. Freilich: Experten warnen vor Bitcoin und anderen Krypto-„Währungen“ als Geldanlage. Viel zu unsicher. Nur etwas für Spekulanten.

Von immer mehr Firmen akzeptiert

Der Bitcoin ist ein privates, digitales Tauschmittel, das sich allmählich, wenn auch sehr langsam, auch als Zahlungsmittel etabliert. Allerdings: Es ist keine Währung im klassischen Sinn, die von Notenbanken herausgegeben wird. Kryptos werden auch nicht von Finanzaufsehern und Regierungen kontrolliert. Der jüngste Aufschwung hängt Experten zufolge auch damit zusammen, dass sich der Online-Zahlungsdienstleister Paypal mit seinen weltweit fast 280 Millionen Nutzern im Oktober für Kunden in den USA für Bitcoins geöffnet hat. Sie können damit Einkäufe bezahlen, sich Verkäufe begleichen lassen und Bitcoins in ihrem Paypal-Account verwahren. Nach und nach soll dies auch in anderen Ländern möglich sein.

Mittlerweile akzeptieren unter anderem Microsoft, der Computer-Hersteller Dell, die Reiseplattform Expedia und Lieferando dem Vernehmen nach Bitcoins. Greenpeace und Wikipedia nehmen auf diesem Weg Spenden an. Bundesweit, vor allem aber in Berlin, sind vor allem in kleineren Geschäften und Cafés Zahlungen per Bitcoin möglich. Im Internet finden sich Listen mit mehreren Dutzend Akzeptanzstellen.

Wer Bitcoins nutzen will, braucht ein Wallet, eine digitale Geldbörse, die durch einen Schlüssel gesichert ist. Einen einfachen Weg, in Bitcoins zu investieren, bietet die Börse Stuttgart. Sie hat vor zwei Jahren unter dem Namen Bison eine App kreiert, über die die Kryptos Bitcoin, Ethereum, Litecoin, Bitcoin Cash und Ripple über das Smartphone gehandelt werden können. Das Interesse ist erstaunlich. Das Handelsvolumen habe 2020 eine Milliarde Euro erreicht, die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer sei um 180 Prozent auf rund 206 000 gestiegen. „Dieser Zuwachs und das Handelsvolumen haben unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Ulli Spankowski, bei der Börse Stuttgart für Bison verantwortlich.

Eine andere Option sind nach Angaben der Commerzbank Bitcoin-Fonds und Bitcoin-Zertifikate. Die Finanzaufsicht BaFin warnt allerdings vor „erheblichen“ Risiken vor allem für Kleinanleger.

Für den rasanten Preisanstieg bei Bitcoins machen Beobachter auch die Folgen der Corona-Pandemie verantwortlich und letztlich indirekt die Notenbanken mit ihrer Null-Zins-Politik und den Billionen schweren Corona-Hilfsprogrammen. Die wiederum blähen die Menge des umlaufenden Geldes massiv auf und schüren Inflationsgefahren. Davor könnten Kryptos schützen, glauben offenbar viele. Befeuert wird die Euphorie durch mutige Prognosen: Da ist von einem Preis von 400 000 Dollar und bis 2022 sogar von einer Million für einen Bitcoin die Rede. Das lockt Spekulanten an. Allerdings sind manche in der Vergangenheit böse reingefallen. 2017 etwa war der Preis auf das damalige Rekordhoch von 14 000 Dollar geklettert, dann ging es rasant um 80 Prozent nach unten.

Trotzdem hat der Bitcoin Vorteile, wie die Commerzbank betont: Es sei ein weltweit akzeptiertes Zahlungsmittel, Überweisungen seien kostengünstig, Bitcoins seien fälschungssicher und die Akzeptanz nehme zu.

Außerdem sei das Risiko für einen Wertverlust überschaubar, weil die Gesamtmenge aller Bitcoins (sie müssen von Rechnern aufwendig erzeugt – „geschürt“ – werden) auf 21 Millionen begrenzt. Derzeit sind etwa 18,5 Millionen in Umlauf. Aber die Commerzbanker heben auch warnend den Finger: Transaktionen könnten gehackt werden, Bitcoins würden auch für illegale Geschäfte genutzt. „Die größte Schwäche liegt jedoch in den großen Kursschwankungen“. Damit besteht auch ein erhebliches Verlustrisiko. Bei Zentralbanken schüttelt man ohnehin den Kopf. Bitcoin und Co „sind in Wirklichkeit keine Währungen, eher Spekulationsobjekte“, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Burkhard Balz. Auf die Werthaltigkeit sei kein Verlass.

Die Notenbank widerspricht auch Hinweisen, dass Zahlungen mit Bitcoin günstig seien. Die Gebühr habe zeitweise bei 30 Euro gelegen, hieß es 2018. Aktuell sind es etwa acht Dollar. Ohnehin hätten Kryptos als Zahlungsmittel kaum Bedeutung. Aktuellen Statistiken zufolge wurden 2020 bis Ende November weltweit 592 Millionen Transaktionen mit Bitcoin abgewickelt. 2019 waren es 479 Millionen. Zum Vergleich: Allein in Deutschland wurden 2019 rund 6,67 Milliarden Überweisungen in Euro registriert.

Nicht nur die Bundesbank weist gerade in Zeiten des Klimawandels auf einen anderen bedenklichen Aspekt von Bitcoins hin. Für das „Schürfen“ der Kryptos sind gigantische Rechnerleistungen erforderlich, was mit einem hohen Energieverbrauch verbunden ist. 2017 etwa habe das weltweite Bitcoin-Netzwerk die Strommenge verbraucht, die Portugal mit seinen rund zehn Millionen Einwohnern für ein ganzes Jahr reicht.

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