Wirtschaft

Automobil Unternehmen baut an deutschen Standorten 9500 Arbeitsplätze ab / VW-Tochter verzicht auf Kündigungen und gibt dafür längere Beschäftigungsgarantie

Bittere Pille für Audi-Werk Neckarsulm

Neckarsulm.Tiefe Einschnitte bei Personal und Unternehmensstruktur sollen Audi für die Zukunft fit machen. Nach monatelangen Verhandlungen hat sich der Autohersteller mit den Arbeitnehmervertretern auf ein Paket verständigt, das bis 2025 den Abbau von bis zu 9500 Arbeitsplätzen an den deutschen Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm vorsieht. Etwa sechs Milliarden Euro möchte das Unternehmen auf diese Weise über die Laufzeit des Vertrags einsparen und damit unter anderem erreichen, dass die Rendite künftig weiterhin bei neun bis elf Prozent liegt.

„Großer Erfolg“

Erreicht werden soll der Personalabbau durch natürliche Fluktuation und zusätzliche Vorruhestandsregelungen. Im Gegenzug wird die Beschäftigungssicherung, die aktuell bis 2025 Kündigungen ausschließt, bis Ende 2029 verlängert. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von zehn Jahren, wie das Unternehmen mitteilte. „In Zeiten des Umbruchs stellen wir Audi agiler und effizienter auf“, sagt der scheidende Vorstandschef Bram Schot. Der Betriebsrat des Autobauers verweist auf die Verlängerung der Beschäftigungssicherung als „großen Erfolg“.

Zwar soll sich die Ergebnisbeteiligung auf dem Niveau der Vorjahre bewegen, wenn das operative Ergebnis ebenfalls gleich bleibt, wie Audi mitteilte. Doch bei deutlich höheren Ergebnissen muss künftig erst verhandelt werden, ob auch die Beteiligung entsprechend steigt. Für das vergangene Jahr hat ein typischer Audi-Mitarbeiter in der Produktion rund 3600 Euro Erfolgsbeteiligung erhalten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen aber auch schon deutlich höhere Summen gezahlt.

Wie viele Stellen genau in Neckarsulm wegfallen, steht noch nicht fest. Im Vorfeld war allerdings ein Abbau von 1500 Stellen am Standort diskutiert worden. Ob die 1000 IT-Fachkräfte, die in die neue Konzern-Gesellschaft Car.Software.org überführt werden sollen, als Teil des Personalabbaus gewertet werden, blieb zunächst offen. 2000 Beschäftigte sollen für neue Aufgaben qualifiziert werden – diese Zahl ist Bestandteil der 9500 Stellen, die gestrichen werden sollen. Der Betriebsrat spricht deswegen von 7500 Stellen, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll zunächst konstant bleiben, heißt es in der Vereinbarung. In einigen Jahren ist allerdings eine Überprüfung der Anzahl und der Lehrinhalte vorgesehen.

Teil der Vereinbarung ist, dass der intern als E6 bekannte elektrische A6-Nachfolger in Ingolstadt gebaut wird. Der A6 bekommt allerdings eine neunte Generation mit Verbrennungsmotor. Dieses Fahrzeug soll gemeinsam mit dem nächsten A4 in Neckarsulm gefertigt werden. Ab 2024 wird dies dem Standort nochmals einige Jahre eine sehr gute Auslastung bescheren, gegen Ende des nächsten Jahrzehnts soll die Stückzahl dann aber in die Größenordnung der neuen Kapazität von 225 000 Fahrzeugen sinken.

Ein zweckgebundener Investitionsfonds, der bis 2025 auf 300 Millionen Euro anwachsen wird, soll die finanzielle Grundlage für die Fertigung von Elektromodellen im Neckarsulmer Werk in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre garantieren. Welches Fahrzeug dann gebaut werden soll, ist noch offen. Bisher war die zweite Generation des Q4 E-Tron als Option genannt worden.

Der künftige Audi-Chef Markus Duesmann soll den Autobauer wieder profitabler machen, enger mit Porsche und VW zusammenarbeiten und bis 2025 auch 30 E-Modelle auf den Markt bringen. Das aktuelle Paket entstand allerdings noch unter der Ägide des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Bram Schot, der erst im vergangenen Jahr an die Unternehmensspitze gerückt war.

Audi ist seit der Aufdeckung des Dieselskandals 2015 auf Talfahrt und deutlich hinter die Konkurrenten Daimler und BMW zurückgefallen. Der Skandal kostete Milliarden. Sechs Entwicklungschefs hatte Audi in den vergangenen sieben Jahren, die Autos verkaufen sich zäh. Erst Ende Oktober hatte das Unternehmen die Absatzprognose für das laufende Jahr senken müssen. (mit dpa)

Manfred Stockburger ist Redakteur bei der „Heilbronner Stimme“

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