Wirtschaft

Aktienmarkt Dax legt im Jahresvergleich um 25,5 Prozent zu – deutlich stärker, als von den meisten Analysten erwartet

Börse trotzt allen Widrigkeiten

Archivartikel

Frankfurt.Geradezu absurd war die Entwicklung an einer Börse. In Caracas schossen die Kurse in diesem Jahr um verrückte 7700 Prozent in die Höhe. Zocker machten das dicke Geschäft, während die übergroße Mehrheit der Bevölkerung angesichts der katastrophalen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verarmt, Hunger leidet und Millionen Menschen ihr Heimatland verlassen. Schlecht lief es dagegen an den Börsen in Sambia, Nigeria, der Elfenbeinküste oder in Bangladesch mit einem Minus von jeweils rund 20 Prozent.

All das hat deutsche Anleger im Jahr 2019 wenig, eher überhaupt nicht berührt. Sie dürften an diesen Börsen kein Geld angelegt haben. Sonst stehen vor den weltweit wichtigsten und auch den weniger wichtigen Börsenindizes in diesem Jahr nur dicke Pluszeichen. Beim Weltaktienindex MSCI sind es rund 25 Prozent, der Dow Jones, der S&P 500 und die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq in den USA liegen zwischen 22 und 37 Prozent vorn und auf neuen Höchstständen, der Eurostoxx 50 mit den wichtigsten europäischen Papieren bei plus 26 Prozent. Der Nikkei in Japan und die Börse in Shanghai bringen es jeweils auf rund 21 und 22 Prozent.

Brexit und Handelsstreit

Auch der Aktienmarkt in Deutschland kann sich sehen lassen. Es lief viel besser, als Experten vorausgesagt haben. Die allermeisten lagen daneben – auch wenn alle auf einen deutlichen Anstieg des Deutschen Aktienindex Dax getippt haben. Meist schwankten die Prognosen zwischen 12 000 und 12 500 Punkten. Nur Gertrud Traud und ihre Analysten von der Landesbank Hessen-Thüringen lagen mit 13 200 Punkten fast richtig: Von 10 558 Punkten Ende 2018 ging es um rund 25,5 Prozent auf 13 249 Zähler zum Börsenschluss am Montag nach oben.

Die herben Verluste von 2018 – mit minus 18 Prozent das fünfschlechteste Dax-Jahr – wurden mehr als wettgemacht. Obwohl die Umstände mit Brexit-Chaos, dem Handelsstreit zwischen den USA und China, dem generell zunehmenden Protektionismus, der schwächelnden Weltkonjunktur und einem gedämpften Welthandel alles andere als günstig waren. Aber dank niedrigster (Notenbank-) Zinsen waren Alternativen rar. Zumal etliche Volkswirte mit einer ersten leichten Zinswende nach oben gerechnet hatten und von der neuerlichen Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im September überrascht wurden.

Es ist eines der besten Jahre für den Dax überhaupt. Das gesamte Jahrzehnt kann sich sehen lassen. Bei 5957 stand der Index Ende 2009. Um 120 Prozent und damit deutlich mehr als verdoppelt hat er sich in der Dekade – trotz einiger Tiefen. Am besten gefahren sind in diesem Jahr die Aktionäre von MTU mit einem Plus von 61 Prozent, Adidas hat um rund 59 Prozent zugelegt, RWE und Deutsche Post liegen mehr als 40 Prozent im Plus, SAP knapp darunter.

Varta startet durch

Nur fünf der 30 Aktienwerte beenden das Jahr im Minus: Wirecard rutscht um 19 Prozent ab, Lufthansa um knapp 17, Continental um 4,5, Covestro um vier und Henkel um etwas mehr als drei Prozent.

Die höchsten Gewinne unter den soliden Unternehmen aber wurden in der zweiten und dritten Börsenreihe erzielt: Batteriehersteller Varta kommt auf ein Plus von fast 390 Prozent, die Medizintechnik-Firma Eckert Ziegler und Essens-Anbieter Hello Fresh auf jeweils rund 190 Prozent. Prominenteste Verlierer sind Leoni (minus 65). Zooplus und K&S rutschen um fast 30 Prozent ab.

Auch mit Gold und anderen Edelmetallen sind Anleger 2019 gut gefahren. Gold profitierte wie Aktien von den niedrigen Zinsen.

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