Wirtschaft

Aktienmarkt Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt deutschen Leitindex Dax tief ins Minus / Experten erwarten weiter deutliche Schwankungen

„Börsen warten verzweifelt auf eine Lösung“

Frankfurt.Von wegen Jahresend-rallye: Statt steigender Börsenkurse erleben Anleger einen Absturz auf Raten. Der deutsche Leitindex Dax rutschte in dieser Woche unter die Marke von 11 000 Punkten und sackte zeitweise auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Dazu wichtige Fragen und Antworten:

Warum sind Investoren derzeit so nervös?

Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China verhagelt Anlegern die Stimmung. Nach Entspannungssignalen droht die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada die Spannungen wieder anzuheizen. Die USA forderten gestern deren Auslieferung. Eine Eskalation des Streits könnte die globale Konjunktur beeinträchtigen und die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart treffen. „Die jüngsten Kursverluste an den Börsen zeigen, wie verzweifelt auf eine Lösung gewartet wird“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Fondsgesellschaft DWS.

Gibt es weitere Gründe für die angespannte Stimmung?

An den Börsen wird die Zukunft gehandelt. Doch die Zeichen für die globale Wirtschaft stehen auf langsamerem Wachstumstempo. „Die Weltwirtschaft wächst zwar auch nächstes Jahr, aber wir befinden uns in einer späten Zyklusphase“, sagt Jens Wilhelm, Vorstand bei der Fondsgesellschaft Union Investment.

Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Notenbanken?

Die Geldschwemme und Niedrigzinsen großer Notenbanken haben die Anleger seit Jahren bei Laune gehalten, während traditionelle Sparer darunter leiden. Da die Zinsen teilweise immer noch im Keller sind, herrscht Anlagenotstand. Investoren setzen daher verstärkt auf Aktien. Die US-Notenbank Fed strafft die geldpolitischen Zügel allerdings seit geraumer Zeit und hebt die Leitzinsen in Etappen an. Steigende Zinsen machen Anleihen von Staaten und Unternehmen im Vergleich mit Aktien tendenziell attraktiver.

Wie geht es weiter an den Aktienmärkten?

Anleger müssen sich nach Einschätzung von Börsenexperten zunächst auf weitere deutliche Kursschwankungen einstellen. „Zwar wird es in den nächsten Monaten immer wieder zu stärkeren Schwankungen kommen, doch insgesamt werden die Aktienmärkte auf einen holprigen Aufwärtspfad einschwenken“, erwartet Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank. Etwas skeptischer sind die LBBW-Experten. Sie sehen vor allem Risiken bei US-Aktien, die inzwischen als vergleichsweise teuer gelten. Mögliche Folgen beschreiben die Experten so: „Schließlich lehrt die Börsengeschichte, dass sich die Aktienmärkte der übrigen Welt einer Wende bei US-Aktien in aller Regel nicht entziehen können. Wenn die Wall Street niest, bekommen die hiesigen Börsenplätze die Grippe.“