Wirtschaft

Bilanz Händler und Verlage behaupten sich gegen Medienkonkurrenz / Auch Michelle Obama trägt mit ihrer Autobiografie dazu bei

Börsenverein: Endlich wieder mehr Buchkäufer

Archivartikel

Frankfurt.Das Engagement der Buchhändler und der Verlage in Deutschland in neue Laden- und Veranstaltungskonzepte, in Aktionen für Soziale Medien und in das Online-Geschäft zahlt sich offensichtlich aus. Zum ersten Mal seit 2012 ist die Zahl der Menschen, die in Deutschland ein Buch kaufen, im vergangenen Jahr wieder gestiegen –um rund 300 000 auf 29,9 Millionen.

2018 als Wendepunkt

„Das Jahr 2018 markiert einen Wendepunkt in der Buchbranche“, freut sich denn auch Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Auch bei E-Books, also elektronischen Lesegeräten, konnten Handel und Verlage im vergangenen Jahr punkten: Der Absatz legte um knapp 13 Prozent zu, der Umsatz um rund zehn Prozent zu. Auch Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins, zeigte sich am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt mehr als zufrieden. „Der Buchmarkt ist trotz steigender Medienkonkurrenz stabil.“

Das sei dem Engagement der Händler und Verlage zu verdanken, die die Medienentwicklung aktiv mitgestalteten. Dabei gewinne auch das Online-Geschäft zunehmend an Bedeutung. Riethmüller verschweigt aber auch nicht weiter bestehende Probleme. Das gelte für steigende Mieten, die Entwicklung der Innenstädte und die Suche von Nachfolgern bei etlichen Händlern.

Mit gewissen Sorgen, aber auch mit Zuversicht schaut Geschäftsführer Skipis auf für die Branche wichtige wirtschaftliche Fragen. „Gespannt erwartet die Branche, wie es nach der Insolvenz des Großhändlers KNV weitergeht.“ Man sei aber optimistisch, „dass durch eine erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens die leistungsstarke und vorbildliche Logistik der Buchbranche erhalten werden kann.“ Daneben hofft die Branche, dass die Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaft Wort von der Politik wieder hergestellt wird.

Zentral bleibt für ihn der Einsatz der Branche für die Meinungsfreiheit. Insgesamt erzielte die Buchbranche 2018 einen Umsatz von gut 9,13 Milliarden Euro, ähnlich viel wie im Jahr zuvor. Von Januar bis Mai diesen Jahres sah es mit einem Plus von gut vier Prozent erfreulich aus.

Sachbücher legen zu

Mit einem Umsatz von 4,27 Milliarden Euro (Anteil knapp 47 Prozent) war der stationäre Buchhandel mit rund 3800 Händlern auch 2018 die größte Stütze des Buchmarktes, auch wenn der Umsatz um 0,7 Prozent schrumpfte. Dafür erzielten die Händler im Online-Geschäft ein Plus von vier Prozent auf fast 1,8 Milliarden Euro. Vor allem bei Sachbüchern gab es mit 5,5 Prozent einen deutlichen Umsatzzuwachs. Grund war unter anderem die Biografie von Michelle Obama.

Auf den Verkauf von elektronischen Büchern entfällt mittlerweile ein Umsatzanteil von fünf Prozent. Allerdings geben die Käufer für E-Books immer weniger aus. Der Durchschnittspreis ist von 6,38 auf 6,19 Euro gesunken.