Wirtschaft

Bahntechnik Management drängt auf Tarifkürzung und Stellenabbau / Folgen für Mannheimer Standort unklar

Bombardier droht nächste Sparrunde

Archivartikel

Berlin/Mannheim.Der Zughersteller Bombardier kommt nicht zur Ruhe. Das Management feilt an einer weiteren Sparrunde für die deutschen Standorte. Nach Gewerkschaftsangaben sollen Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Entgelterhöhungen verzichten. Auch längeres Arbeiten ohne finanziellen Ausgleich ist offenbar im Gespräch.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Unternehmenskreisen sind 1000 Arbeitsplätze in Gefahr. Deutschland-Chef Michael Fohrer wolle damit Bombardiers Position im internationalen Wettbewerb verbessern. Das Unternehmen selbst bestätigt diese Zahl nicht. Fohrer wird allerdings in einer Mitteilung zitiert: „Ich bin mir bewusst, dass einige dieser Maßnahmen einschneidend sind.“

Sollte das Unternehmen einen offiziellen Antrag stellen, um vom Tarif abzuweichen, „werden wir uns damit beschäftigen müssen“, erklärt Janna Köke von der IG Metall Mannheim. Allerdings macht sie klar, dass weitere Einschnitte bei der Belegschaft keine Lösung für die Probleme von Bombardier seien.

Das Unternehmen unterhält in Mannheim einen großen Forschungs- und Entwicklungsstandort mit etwa 1000 Mitarbeitern, bundesweit sind es etwa 6300. Die Belegschaft schrumpft seit Jahren.

Ob und wie Mannheim betroffen sein könnte, darüber gibt es noch keine Informationen. „Hierzu möchten wir unseren laufenden Verhandlungen nicht vorgreifen und können daher keine Aussagen treffen“, teilt Fohrer mit.

Auf seinem wichtigen Markt Deutschland steht Bombardier unter Druck. In einem ungewöhnlichen Schritt forderten im Februar zahlreiche Kunden, der Zughersteller müsse die Qualität seiner Produkte deutlich steigern und Vertragsbedingungen konsequent und fristgerecht einhalten. Schon länger finde Bombardier keine Lösung, Liefer- und Qualitätsprobleme nachhaltig zu beseitigen, kritisierten mehrere Verkehrsverbände in einem Schreiben.

Seit einigen Jahren versucht das Unternehmen, seine Standorte stärker zu spezialisieren: Hennigsdorf als Entwicklungszentrum für Züge und den Bau von Prototypen und Testfahrzeugen, Kassel als weltweites Produktionszentrum für Loks, die in Mannheim entwickelt werden.

Übernahme steht bevor

Braunschweig behält die Signal- und Steuerungstechnik, Siegen die Drehgestelle. Görlitz ist auf Wagenkästen spezialisiert, Bautzen auf den Innenausbau. Im Dezember wurde dort ein neues digitales Testcenter eröffnet. Bei der Zeremonie hatte Fohrer noch versichert, es gebe keine weiteren Sparpläne.

Die Zugsparte von Bombardier steht vor der Übernahme durch den französischen Konkurrenten Alstom. Das rund sechs Milliarden Euro schwere Geschäft soll im ersten Halbjahr 2021 unter Dach und Fach gebracht werden. (mit dpa)

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