Wirtschaft

Fahrzeuge Autohersteller plant erste Testfahrten am 25. Juni / Spekulationen um Absatzprobleme und Suche nach neuem Investor in China

Borgward vor Marktstart in Deutschland

Stuttgart.Borgward – der Name ist in Deutschland eine Legende. Vor allem die Isabella-Modelle des 1961 in Konkurs gegangenen Bremer Traditions-Autohersteller sind Kult. Ein Fahrzeug mit dem charakteristischen Rhombus als Markenzeichen war in den Gründerjahren der Republik der Traum vieler Bundesbürger. Die unter dem Dach des chinesischen Herstellers Foton seit 2015 mit den zwei Geländewagenmodellen BX 5 und BX 7 zunächst auf dem chinesischen Automarkt wiederbelebte Marke soll nun auch in Deutschland Fuß fassen – ungeachtet von Berichten über Absatzschwierigkeiten und der Suche nach neuen Investoren.

„Voll im Plan“

Der Markeintritt stehe unmittelbar bevor, bestätigt ein Sprecher der in Stuttgart angesiedelten Borgward AG. Einladungen für Testfahrten mit dem Modell BX 7 TS, mit dem Borgward in Deutschland an den Start gehen will, sind auf den 25. Juni datiert. „Danach werden alle Fragen beantwortet sein“, heißt es noch etwas nebulös.

Der Vertrieb soll über die Neuwagen-Plattform von Sixt erfolgen, der Service von der Werkstattkette ATU erledigt werden. „Dazu sind wir in den finalen Gesprächen“, sagt Kommunikationschef Marco Dalan, ohne sich zu Details zu äußern. Allerdings existiert weder die bereits für Ende 2017 als „Brand Experience Center“ ankündigte Stuttgarter Repräsentanz, noch sind die Verhandlungen über einen geplanten deutschen Produktionsstandort in Bremen abgeschlossen. Doch dessen ungeachtet liege Borgward beim Start in den deutschen Markt „voll im Plan“, betont der Sprecher. „Alles hat sich sehr gut entwickelt.“

Zuletzt waren in der Branche allerdings Zweifel an der Zukunftsfähigkeit und dem nachhaltigen Interesse des Eigners Foton am Erhalt der Marke aufgekommen. Sie wurden genährt von einem Einbruch der Absatzzahlen auf dem chinesischen Markt im vergangenen Jahr und Meldungen, wonach Foton nach neuen Investoren für die Traditionsmarke suche. Hatte Borgward nach Zahlen des Online-Portals Carsalesbase zum Marktstart in China im Juli 2016 noch über 4000 Fahrzeuge verkauft, waren es im April 2018 nur noch 1900.

100 000 Fahrzeuge abgesetzt

Insgesamt soll Borgward von den beiden Modellen, die in der Nähe von Peking gefertigt werden, bislang rund 100 000 Fahrzeuge abgesetzt haben. „Das sind realistische Zahlen“, bestätigt der Unternehmenssprecher. Der Einbruch sei auch der ursprünglichen Positionierung auf dem chinesischen Markt zuzuschreiben gewesen. Mittlerweile sei Borgward in China allerdings unter anderem nach einem Austausch des Managements neu aufgestellt. „Wir sind frohen Mutes, dass die Zahlen in China ab Juli wieder nach oben gehen“, heißt es in der Stuttgart Zentrale.

Investoren schon 2015 gesucht

Dort verweist man für Auskünfte auf die Frage nach dem Ergebnis der Investorensuche für Borgward auf den chinesischen Eigner Foton. Kommunikationschef Dalan bestätigt allenfalls, dass bereits 2015 nach zusätzlichen Investoren für Borgward gesucht worden sei – „allerdings nach Investoren, die der Marke strategisch weiterhelfen und keine Exit-Strategie verfolgen“.

Personell ist Borgward für den deutschen und später auch europäischen Markt zumindest personell für die Zukunft aufgestellt: Seit kurzem ist Philip Koehn der bisherige Rolls-Royce-Entwicklungschef an Bord, der bis 2013 bei BMW unter anderem die Elektrifizierung und Weiterentwicklung der Fahrzeugflotte verantwortete.