Wirtschaft

Wirecard-Skandal Ex-Unternehmenschef verweigert Aussage zum Verbleib der verschwundenen Milliarden

Braun mauert vor Ausschuss

Berlin.Den Abgeordneten war der steigende Ärger anzumerken: Markus Braun, der ehemalige Chef der Wirecard AG, weigerte sich am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags, auch nur einfachste Faktenfragen zu beantworten. „Merken Sie nicht, dass das Ihre Position in der Öffentlichkeit weiter schwächt?“, fragte ihn der Abgeordnete Hans Michelbach von der CDU. Der Wirecard-Untersuchungsausschuss hatte von Brauns Aussage erhofft, Einblick in die Zusammenhänge des größten Wirtschaftsskandals der Nachkriegsgeschichte zu erhalten.

Die Ausschussmitglieder machten wiederholt klar, dass sie das Recht, vor einem Ausschuss die Aussage zu verweigern, nicht so weit auslegen wie Braun. Dieser hatte in einer Erklärung angekündigt, nur der Staatsanwaltschaft München Rede und Antwort zu stehen.

Grünen-Obmann Danyal Bayaz (Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen) kritisierte auf Twitter Brauns Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss: „Er hätte dazu beitragen können, dass eine Täuschung der Behörden künftig erschwert und Schaden abgewendet wird. Markus Braun hat diese Chance leider verpasst.“

Schlüsselfigur im Krimi

Der 51-jährige Braun stellte sich in seiner vorbereiteten Erklärung zumindest von der Wortwahl her als Opfer dar. „Die Gerichte müssen klären, wer die Verantwortung für den Zusammenbruch der Wirecard AG trägt“, sagte er. Die Ermittler sollten „den Verbleib veruntreuter Unternehmensgelder“ ausfindig machen, er vertraue auf deren Objektivität.

Aus Sicht der Ankläger war Braun jedoch die treibende Kraft hinter dem Milliarden-Betrug bei Wirecard. Braun wollte auch keine Fragen dazu beantworten, ob die Staatsanwaltschaft ihm eine bevorzugte Behandlung im Gegenzug für eine umfassende Aufklärung der Vorgänge angeboten hat.

Braun gilt als Schlüsselfigur des Wirtschaftskrimis. Der ehemalige Firmenchef soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein Finanzkarussell organisiert haben, das gewaltige Scheingewinne hervorgebracht hat.

Drittfirmen haben dazu hohe Summen an den Konzern überwiesen. Dieser verbuchte sie als Gebühreneinnahmen. In Wirklichkeit standen diese Firmen unter Kontrolle des Wirecard-Managements und wurden verdeckt durch den Konzern finanziert. „Das Unternehmen sollte finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver dargestellt werden“, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft München I. Damit wollten Braun und seine Helfer „regelmäßig Kredite von Banken und sonstigen Investoren erlangen“. Letztlich habe er sich persönlich bereichert. Braun hat im Jahr 2017 einen Teil seiner eigenen Wirecard-Aktien als Sicherheiten für einen persönlichen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro hinterlegt. Der Wert war aber von den Manipulationen aufgebläht.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin behandelte die Berichte über Unregelmäßigkeiten jedoch fälschlicherweise mehr wie den Versuch der Verleumdung des einheimischen Unternehmens.

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