Wirtschaft

Studie 48 Prozent der Waren und Dienstleistungen wurden 2017 mit Münzen und Scheinen bezahlt

Bürger zahlen immer noch lieber bar

Frankfurt.107 Euro hatten Bundesbürger im vergangenen Jahr im Schnitt in ihrer Geldbörse – 101 Euro in Scheinen und sechs Euro in Münzen. Und jeden Monat heben sie im Schnitt 615 Euro am Geldautomaten ab oder lassen sich es sich am Schalter aushändigen – im ganzen Jahr sind es 7374 Euro.

Schließlich zahlen die Deutschen an der Ladenkasse immer noch in drei von vier Fällen bar, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann betont. „Der technische Fortschritt macht bargeldloses Bezahlen immer bequemer und effizienter. Und doch hat das Bargeld weiterhin seine Berechtigung.“

Seine Bedeutung nimmt nur langsam ab, wie die neue Studie der Bundesbank über das Zahlungsverhalten der Bundesbürger zeigt, über das Notenbanker, Banker und Juristen gestern auf einem Symposium der Zentralbank in Frankfurt diskutieren. Gemessen am Umsatz mit Waren und Dienstleistungen wurden 2017 in Deutschland 48 Prozent bar bezahlt, mit Blick auf die Zahl der Transaktionen sogar 74 Prozent. Das sind jeweils nur fünf Prozentpunkte weniger als bei der letzten Untersuchung vor drei Jahren. „Das Bezahlverhalten der Bundesbürger ändert sich zwar stetig, aber doch nur langsam. Die Mehrheit hat den Wunsch Bargeld als Zahlungsmittel zu behalten“, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Eine Abschaffung des Bargeldes ist für die Notenbank kein Thema. „Bargeld ist geprägte Freiheit, und es ist das einzige Zahlungsmittel, das keine digitalen Spuren hinterlässt.“

Kaum Einkäufe per Smartphone

Beträge bis fünf Euro werden fast ausschließlich bar beglichen, selbst bei Einkäufen bis 60 Euro liegt der Anteil noch bei fast zwei Drittel. Gleichwohl zücken die Deutschen immer öfter die EC- und Girokarte. Ihr Anteil an der Anzahl der Zahlungen ist von 2014 bis 2017 von 15 Prozent von 19 Prozent gestiegen, aber damit immer noch überschaubar. Auch kontaktlose Bezahlverfahren nehmen zu, haben aber immer noch einen Anteil von nur einem Prozent. „Und per Smartphone wird bisher kaum bezahlt“, sagt Bundesbank-Vorstand Thiele.

Im Übrigen steht das ganz im Gegensatz zu vielen afrikanischen Ländern: Dort sind Zahlungen per Smartphone und Überweisungen von Smartphone oder Handy zu anderen Mobilgeräten seit Jahren Alltag.