Wirtschaft

Verkehr Laut Papier von Verkehrs- und Finanzministerium kann die Bahn auf kräftige Eigenkapitalerhöhung des Staates hoffen, muss aber Eigenanteil leisten

Bund plant Milliarden-Hilfe – unter Auflagen

Archivartikel

Berlin.Für Fahrgäste der Deutschen Bahn sind es Zeiten mit ungewohnt viel Reisekomfort: die Züge leer, sauber und pünktlich wie lange nicht. Doch das ist nur ein Teil der Corona-Wahrheit: Die kaum besetzten Züge stürzen den Staatskonzern in eine Finanzkrise. Erst voriges Jahr hatte sich der Bund durchgerungen, die Bahn mit Milliarden zu päppeln – dem Klima zuliebe. Nun, im Zeichen der Pandemie, sieht sich die Regierung zur Nothilfe gezwungen. Weitere Milliarden sollen fließen. Doch auch die Bahn muss sich strecken.

Sie hat den größten Teil des Fahrplans aufrechterhalten, um eine Grundversorgung zu gewähren. Die Fahrgastzahlen sind jedoch um bis zu 90 Prozent eingebrochen – und damit die Einnahmen. Am Freitag (15. Mai) tagt der Aufsichtsrat. Dann geht es wohl auch um das Hilfskonzept, das am Montag durchsickerte. In dem Papier von Verkehrs- sowie Finanzministerium wird für den Konzern aus heutiger Sicht ein Corona-Schaden von 11 bis 13,5 Milliarden Euro angenommen. Der Bund plant demnach eine Eigenkapitalerhöhung beim größten Staatskonzern. Zwischen 6,9 und 8,4 Milliarden Euro könnten fließen. Außerdem soll dem hoch verschuldeten Konzern erlaubt werden, noch mehr Verbindlichkeiten anzuhäufen.

Schlankere Strukturen

Das geht aus einem Papier hervor, das der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag. Zuvor hatten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber berichtet. Offiziell bestätigt wird noch wenig davon. „Es gibt keine Festlegung“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Denn die Regierung wird kritisch beäugt: Die FDP will prüfen, ob die Geldnot wirklich nur von Corona herrührt oder das Management die Corona-Krise zum „Vorwand zum finanziellen Befreiungsschlag“ nimmt. Es dürfe keinen Blankoscheck geben. Die Grünen dagegen fürchten einen Personalabbau unter den rund 200 000 Bahn-Mitarbeitern in Deutschland.

Die Bahn sichert laut Papier zu, bei der Eisenbahn einen Beitrag in Höhe der Hälfte der entstehenden Lücke mit zu leisten – bis zu 5,1 Milliarden Euro. Die Mitarbeiter sollen angesparten Urlaub abbauen und ihre Arbeitszeitkonten erleichtern. Es soll mehr Telearbeit geben. Strukturell sollen Preiseffekte durch Einkaufs-Neuverhandlungen genutzt und sich der „Reise- und Repräsentationsaufwand“ verringern. Die Organisation soll schlanker werden.

Für das laufende Jahr rechne die Bahn mit einem Konzernverlust von zwei Milliarden Euro, der Umsatz werde um etwa acht Milliarden Euro um damit knapp ein Fünftel einbrechen, hat das „Handelsblatt“ erfahren. Der für Mai geplante Börsengang der Auslandsverkehrstochter DB Arrival wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Aus einem Verkauf erhoffte man sich vier Milliarden Euro. 

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