Wirtschaft

Geld Olaf Scholz mahnt deutsche Institute zu mehr Digitalisierung, verzichtet persönlich aber auf Online-Geschäfte / Branche soll krisenfester werden

Bundesfinanzminister geht lieber in die Bankfiliale

Archivartikel

Frankfurt.Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD, kleines Bild) sind die Banken in Deutschland und in Europa aktuell zu schwach, um die Volkswirtschaften zu stützen und die Unternehmen weltweit zu begleiten.

„Seit der Finanzkrise hat ihre Bedeutung abgenommen. Das ist ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche und auch für die Europäische Union“, sagte der Minister gestern auf dem Bankengipfel in Frankfurt. Der Erfolg der Wirtschaft und auch der Exporterfolg Deutschlands hingen auch davon ab, dass Banken eine bestimmte Größe haben und global tätig sind. Dies wieder zu ändern bleibe eine Fragestellung, an der gearbeitet werden müsse, so Scholz.

Banken wie Unternehmen überhaupt forderte Scholz auf, die Möglichkeiten des technologischen Wandels und der Digitalisierung zu nutzen. Das sei wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Digitalisierung eröffne auch die Chance für neue Geschäftsmodelle. Das dürften die Banken nicht allein den FinTechs überlassen. Scholz räumte allerdings ein, dass er selbst die durch das Internet und die Digitalisierung bereits umgesetzten Änderungen des Bankgeschäfts nicht wahrnimmt.

„Wie man es nicht machen soll“

„Ich nutze kein Online-Banking und habe auch keine Banking-App“, sagte der Finanzminister auf der Tagung lächelnd. Er gehe in die Filiale, allerdings liege der letzte Filialbesuch schon ein Jahr zurück. Und bei der Geldanlage mache er es, gab der Finanzminister zu, „wie man es eigentlich nicht machen soll“. Sein Geld liege auf dem Bankkonto und bringe keine Zinsen.

Generell hält der Finanzminister die Lage von Banken, Sparkassen und Volksbanken in Deutschland für stabil. Das schreibt er auch dem Umstand zu, dass in Europa nach der Finanzkrise mit der Etablierung neuer Institutionen wie der Abwicklungseinheit für Banken oder dem Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM wichtige Veränderungen auf den Weg gebracht worden sind.

Damit könne Europa besser mit Krisen umgehen als in der Vergangenheit. „Aber wir sind noch nicht am Ende des Weges. Wir müssen noch eine ganze Reihe von Aufgaben erledigen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.“ Die Risiken im Bankensektor müssten weiter abgebaut werden, den ESM würde Scholz gerne zu einem europäischen Währungsfonds ausbauen.

Die Grundlagen sollten noch in diesem Jahr geschaffen werden. „Wir müssen schnell handeln“, sagt der Finanzminister. Schließlich wisse man nicht, wann es wieder notwendig sein werde, wegen einer neuen Krise zu agieren. Neuer Gegenwind droht wegen des britischen EU-Austritts. „Der eine oder andere wird sich darauf einstellen müssen, dass es auch zu einem ungeregelten Brexit kommen kann“, warnte Scholz. Brüssel und London ringen um einen Austrittsvertrag. (Bild: dpa)