Wirtschaft

Bundesweit hitzige Debatte

Auch in Deutschland flammt die Diskussion über ein Grundeinkommen immer wieder auf. Zu den populärsten Befürwortern zählt schon seit Jahren Götz Werner, Gründer der Karlsruher Drogeriemarktkette dm. Gerade Frauen, die viele Jahre zu Hause mit Kindererziehung und Pflege von Angehörigen verbracht hätten und dafür nur wenig Rente bekämen, sieht er im bestehenden System ungerecht behandelt.

Die Debatte wird hitzig geführt. In Deutschland äußern sich viele Politiker gegen das Grundeinkommen. „Keine gute Idee“, sagte Kanzlerin Angela Merkel im Sommer vergangenen Jahres in einem Interview. SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles sieht das ebenso. Einer der deutlichsten Kritiker ist Armutsforscher Christoph Butterwegge. „Eine Sozialpolitik nach dem Gießkannenprinzip widerspricht dem vorherrschenden Gerechtigkeitsverständnis“, sagt er. Außerdem sei ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bundesbürger absurd teuer. Und tatsächlich: Bekämen alle Erwachsenen 800 und die Kinder 400 Euro, kostete das knapp 700 Milliarden Euro jährlich. Das ist mehr als das Doppelte des Bundeshaushaltes.

Unabsehbare Folgen

„Die Grundidee, Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen Chancen zu bieten, ist gut“, sagt Thomas Bahle vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). „Allerdings halte ich die Umsetzung eines Grundeinkommens für zweifelhaft.“ In Deutschland würden gesellschaftlich hoch bewertete Tätigkeiten zum Teil bereits durch gezielte Sozialleistungen unterstützt, etwa durch Erziehungs- oder Pflegegeld. Dafür wäre kein Grundeinkommen nötig, sondern eher noch ein Ausbau dieser Leistungen, erklärt Bahle.

Die Wissenschaft hat nach seinen Angaben bisher kaum untersucht, welche Folgen ein Grundeinkommen hätte. Offene Fragen gibt es viele: Sind die Menschen überhaupt noch bereit zu arbeiten? Sinkt das Lohnniveau? Steigen die Preise für Güter und Dienstleistungen? Eines ist nach Meinung von Bahle klar: „Ein Grundeinkommen wäre ein sehr radikaler Eingriff in unsere Gesellschaft.“ 

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