Wirtschaft

Finanzen US-Großaktionär ist mit der Kursentwicklung unzufrieden – und fordert vom Aufsichtsrat „nachhaltige Veränderungen“

Cerberus macht Commerzbank Druck

Archivartikel

Frankfurt.Die Entwicklung könnte gegensätzlicher nicht sein. Die Aktie der Deutschen Bank gehört in diesem Jahr bislang zu den Gewinnern und hat seit Ende 2019 um rund 20 Prozent zugelegt. Das Papier der Commerzbank dagegen zählt zu den großen Verlierern mit einem Abschlag von 25 Prozent. Bei rund 4,15 Euro dümpelt der Kurs vor sich hin.

Ganz offensichtlich kommt Vorstandschef Martin Zielke im Gegensatz zu seinem Gegenüber Christian Sewing bei der Deutschen Bank nicht wirklich voran. Er muss eher sogar Rückschläge hinnehmen wie den geplatzten Verkauf der Tochter M-Bank in Polen. Auch die Einbindung der Online-Bank Comdirect und die damit verbundene Abfindung der Aktionäre war teurer als erwartet. Dies alles verärgert immer deutlicher auch Aktionäre. An die Spitze hat sich der in der Finanzbranche nicht unumstrittene Großaktionär Cerberus gesetzt.

Auf der Hauptversammlung vor wenigen Wochen hielt sich der US-Finanzinvestor noch zurück, seit Anfang Juni aber trommelt er laut und öffentlich gegen Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und forderte zunächst zwei Sitze im Kontrollgremium. Schmittmann freilich wies das Ansinnen zurück. Alle Posten seien besetzt und die Mitglieder bis 2023 gewählt. Cerberus sei gleichwohl ein wichtiger Aktionär, lässt der Chefaufseher verlauten.

Doch Cerberus bleibt hartnäckig und pocht jetzt in einem weiteren Brief auf „nachhaltige Veränderungen“. Die Hartnäckigkeit ist wenig verwunderlich. 2017 ist Cerberus mit gut fünf Prozent bei der zweitgrößten deutschen Privatbank eingestiegen. Der Finanzinvestor ist nach dem Bund, der knapp 16 Prozent der Aktien hält, zweitgrößter Aktionär.

Talfahrt der Aktie

Beim Einstieg von Cerberus stand der Kurs der Commerzbank-Aktie bei rund zehn Euro, kletterte bis Anfang 2018 auf mehr als 13 Euro, bevor die Talfahrt einsetzte. Nach Schätzungen von Beobachtern dürfte Cerberus bislang rund 400 Millionen Euro eingebüßt haben. Der Vorstand der Commerzbank steht, so ist zu hören, in regelmäßigem Austausch mit Cerberus und räumt ein, dass die Entwicklung des Aktienkurses nicht zufriedenstellend ist.

Cerberus will seine Mittel einsetzen, um notwendige Veränderungen in der Bank zu erwirken. Das allein zu erreichen dürfte schwierig sein. Die Amerikaner müssten andere Großaktionäre und vor allem auch den Bund überzeugen. In Berlin dürfte man mit der Entwicklung ebenfalls nicht zufrieden sein: Die Buchverluste für den Bund mit Commerzbank-Aktien seit dem Einstieg 2008 belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro.

Zum Thema