Wirtschaft

Thyssenkrupp Wechsel an der Vorstandsspitze / Größter Anteilseigner macht sich für eingeschlagenen Kurs stark

Chefkontrolleurin Merz löst Kerkhoff ab

Archivartikel

Essen.Der angeschlagene Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp bekommt die dritte Führungsspitze innerhalb von nur 15 Monaten. Von diesem Dienstag an wird Martina Merz (Bild) das Ruder bei dem Essener Traditionsunternehmen übernehmen. Die Ingenieurin, die lange für Bosch gearbeitet hat und seit ein paar Jahren hauptberufliche Aufsichtsrätin ist, löst den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff ab. Das habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, teilte Thyssenkrupp mit.

Die Entscheidung war bereits am vergangenen Freitag gefallen, wurde aber erst jetzt mitgeteilt. Mit Kerkhoff habe sich der Aufsichtsrat auf eine einvernehmliche Auflösung seines Vertrags geeinigt. Der Manager war zunehmend ins Kreuzfeuer von Investoren und der IG Metall geraten. Sie warfen ihm fehlende Konsequenz und Erfolglosigkeit bei der Sanierung des Industrieriesen vor.

Der Wechsel von Kerkhoff zu Merz ist nicht alltäglich, denn die 56-Jährige war bisher Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp und damit die Chefkontrolleurin der Vorstandschefs. Sie soll auch nur eine Übergangslösung an der Spitze des Konzerns sein.

Nach maximal zwölf Monaten soll Merz in das Aufsichtsratsgremium zurückkehren und Platz für die oder den nächsten Vorstandschef machen. Bis dahin wird der frühere Siemens-Manager Siegfried Russwurm den Aufsichtsrat leiten.

„Im Ergebnis besser werden“

An dem von Kerkhoff zuletzt verfolgten Umbau des unübersichtlichen Konzerns mit seinen 160 000 Mitarbeitern in eine schlanke Holding mit eigenständigeren Sparten will Merz festhalten. „Im neuen Vorstandsteam werden wir mit der erforderlichen Konsequenz die strukturellen Entscheidungen treffen, die jetzt anstehen“, kündigte sie an. Es gehe darum, „Thyssenkrupp so aufzustellen, dass wir im Ergebnis besser werden“. Nur wenn das gelinge, „können wir das Vertrauen in Thyssenkrupp wieder stärken“.

Die Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns, begrüßte die Ablösung von Kerkhoff. Der Schritt sei richtig, damit die „notwendige Neuausrichtung jetzt zügig verfolgt und umgesetzt werden kann“. dpa

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