Wirtschaft

Konjunktur Branche erwartet auch als Folge des Coronavirus Produktionsrückgang um 1,5 Prozent / Auswirkungen auf Zahl der Arbeitsplätze noch unklar

Chemie-Industrie kappt Jahresprognose

Archivartikel

Frankfurt.Auch die deutsche Chemie-Industrie steht vor einem extrem schwierigen Jahr: Angesichts der Corona-Epidemie erwartet Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VCI, wegen der schwachen Nachfrage aus der Industrie das dritte Jahr in Folge einen Produktionsrückgang, diesmal um 1,5 Prozent. Im Januar noch war der VCI von einem Plus von 0,5 Prozent ausgegangen. Der Umsatz werde voraussichtlich bei 196 Milliarden Euro stagnieren, wegen Pharma mit einem leichten Plus im Ausland, aber einem Rückgang in Deutschland.

„Diese Prognose steht unter erheblichem Vorbehalt“, sagte Große Entrup am Mittwochabend in Frankfurt. Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft, in Europa und auch in Deutschland sei wegen Corona von Unsicherheit geprägt. Frühestens in zwei bis drei Monaten werde man mehr wissen. Mit positiven Signalen, die es noch im Januar mit der beendeten Hängepartie um den Brexit und einer Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA gegeben habe, sei es vorbei. „Das Virus ist ein gravierendes Risiko für die Weltwirtschaft.“

Bei seiner ohnehin schon negativen Prognose lässt Große Entrup die Geschäfte von Tochterunternehmen deutscher Konzerne im Ausland außen vor. Dabei spielt China eine wichtige Rolle.

Autoindustrie belastet

Während aus Deutschland Chemieprodukte im Wert von rund neun Milliarden Euro nach China exportiert werden, setzen Tochterunternehmen deutscher Konzerne dort 23,5 Milliarden Euro um. „Die negativen Effekte der Coronavirus-Epidemie in China könnten daher schwerwiegender sein als in unserer Betrachtungsweise.“

Als Belastung betrachtet der VCI zudem die anhaltende Talfahrt in der Autoindustrie, einer der wichtigsten Abnehmerbranchen der Chemie. Keine Angaben macht Große Entrup dazu, wie sich die Entwicklung auf die Arbeitsplätze und auch Kurzarbeit auswirken könnte. Ende 2019 beschäftigte die Branche 464 800 Menschen und damit 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Unternehmen, die wegen Corona in Schwierigkeiten stecken, brauchen Unterstützung. Die Politik hat darauf angemessen und schnell reagiert“, sagt der VCI-Geschäftsführer.

Es werde sich allerdings erst in den nächsten Wochen zeigen, ob all das ausreiche. Neben den zugesagten Anpassungen beim Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen hält er allerdings auch Bürgschaften für Kredite, Steuerstundungen, Steuersenkungen und die Schaffung eines Sondervermögens für besonders betroffene Unternehmen für wichtige Optionen.

Zum Thema