Wirtschaft

Konjunktur Umsatzrückgang fällt deutlicher aus als erwartet / Unternehmen warnen vor zusätzlichen Belastungen durch Klimaschutz-Auflagen

Chemiebranche: 2019 wird noch schlechter

Archivartikel

Frankfurt.Nach der Automobilbranche und dem Maschinenbau kappt auch die chemische Industrie in Deutschland ihre Jahresprognose. „Wir rechnen mit einem Rückgang der Produktion um vier Prozent. Der Umsatz wird um drei Prozent auf knapp 197 Milliarden Euro sinken“, sagte Hans van Bylen, Präsident des Branchenverbandes VCI, am Mittwoch in Frankfurt. Man habe die Vorhersage leicht nach unten angepasst, wegen der schwachen Industriekonjunktur im ersten Halbjahr in Verbindung mit den Risiken im politischen und wirtschaftlichen Umfeld im zweiten Halbjahr.

Dabei verweist van Bylen vor allem auf die ungelösten Handelskonflikte zwischen den USA und China und den USA und Europa und die Gefahr eines harten Brexit. Das alles belaste das Vertrauen und sorge für Verunsicherung. Im März noch war der VCI von einem Produktionsminus für 2019 von 3,5 Prozent und einem Rückgang des Umsatzes um 2,5 Prozent auf gut 198,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Allerdings hat sich die Entwicklung danach verschlechtert. Die Produktion der Chemiefirmen sackte auch wegen der Schwäche in der Automobilbranche im ersten Halbjahr um 6,5 Prozent ab. Was allerdings auch bedingt war durch einen massiven Produktionsrückgang in der Pharmaindustrie.

„Emissionshandel funktioniert“

Dort hatte 2018 ein innovatives Medikament mit einem jährlichen Umsatzvolumen von einer Milliarde Dollar zu einer starken Ausweitung der Produktion geführt. Dieser Effekt ist mittlerweile ausgelaufen. Ohne Pharma schrumpfte die Produktion im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent. Der Umsatz der Branche ging von Januar bis Juni um vier Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro zurück.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Lage warnt van Bylen vor weiteren Belastungen der Branche im Blick auf den Klimaschutz. Die Chemiefirmen leisteten mit innovativen Produkten und Verfahren dazu bereits einen „erheblichen“ Beitrag. So werde der Treibstoffbedarf aller Fahrzeuge in Deutschland durch den Einsatz von Kunststoffen um 500 Millionen Liter pro Jahr verringert.

Die Branche selbst habe trotz eines Anstiegs der Produktion um 70 Prozent den Ausstoß von Treibhausgasen seit 1990 „annähernd halbiert“. Van Bylen sieht auch keinen Anlass, am Emissionshandel in Europa etwas zu ändern. „Er funktioniert besser als jedes andere politische Instrument für den Klimaschutz.“Auch die Einführung eines nationalen CO2-Preises hält der VCI-Präsident für falsch. „Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit für deutsche Unternehmen noch stärker belasten. Die Verlagerung an günstigere Standorte würde damit attraktiver – mit allen Konsequenzen für Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland“, warnt der Manager.