Wirtschaft

Industrie Ausgaben für Firmenübernahmen im vergangenen Jahr deutlich gesunken / Erwerb von Daimler-Anteilen zweitgrößte Transaktion

China fährt Investitionen in Europa zurück

Stuttgart/Berlin.Chinesische Unternehmen haben ihre Firmenkäufe und -beteiligungen in Europa zurückgefahren: Investoren aus der Volksrepublik gaben im vergangenen Jahr gut 17 Milliarden Dollar (15,6 Milliarden Euro) für Zukäufe und Beteiligungen an Unternehmen in Europa aus.

Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet das einen starken Rückgang von 45 Prozent. Das hat die Beratungsgesellschaft EY errechnet. Demnach zogen die Aktivitäten chinesischer Firmen im zweiten Halbjahr stark an, nachdem es in der ersten Jahreshälfte nur wenige Transaktionen gegeben hatte.

Europaweit größter chinesischer Firmenkauf war die Übernahme der britischen Brauereigruppe Greene King für 5,5 Milliarden Dollar durch eine Immobilien- und Investmentfirma des Hongkonger Multimilliardärs Li Ka-Shing. An zweiter Stelle kam die Fünf-Prozent-Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Beijing Automotive an Daimler für knapp 2,9 Milliarden Dollar.

In Deutschland nahm die Zahl der Firmenübernahmen und -beteiligungen durch Chinesen zwar leicht von 35 auf 39 zu, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Doch da es sich abgesehen von der Daimler-Beteiligung zum Großteil um relativ kleine Transaktionen handelte, sanken die Investitionen von 10,6 auf 4,6 Milliarden.

Wirtschaft begrüßt Engagement

Bisheriges Rekordjahr in Deutschland war 2017, als chinesische Firmen über 13,6 Milliarden Dollar für Übernahmen in Deutschland ausgaben. Die Beobachtungen der China-Fachleute bei EY decken sich mit dem „Global China Investment Tracker“ des American Enterprise Institute, einer konservativen US-Denkfabrik, die chinesische Investitionen weltweit analysiert. Die Zahlen stehen vor dem Hintergrund wachsenden Misstrauens gegen chinesische Firmenkäufe in Europa, nicht zuletzt wegen des Ziels der Pekinger Führung, den Westen und Japan in sämtlichen Schlüsselbranchen technologisch zu überflügeln.

So hatte die Bundesregierung bereits 2018 ihre Veto-Möglichkeiten gegen Firmenkäufe ausländischer Investoren ausgeweitet. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will nun die Investitionsprüfung verschärfen. Widerstand kommt von der deutschen Industrie. „Die Verschärfungen öffnen einer industriepolitischen Instrumentalisierung des Außenwirtschaftsrechts Tür und Tor und höhlen den Eigentumsschutz unnötig aus“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf der Deutschen Presse-Agentur. „Für Investoren und Unternehmen entstehen große Unsicherheiten.“ Deutschland profitiere sehr von Investitionen aus dem Ausland und leide unter dem internationalen Trend zu mehr Abschottung. dpa

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