Wirtschaft

Studie Deutlich weniger Firmenbeteiligungen in Europa

Chinas Investoren halten sich zurück

Frankfurt.Die schwächere Konjunktur in China und der Handelskonflikt mit den USA lassen die Chinesen in Europa und in Deutschland vorsichtiger agieren. Die Zahl der Firmenkäufe und Beteiligungen ist im ersten Halbjahr um fast ein Drittel geschrumpft, in Deutschland haben sie sich sogar mehr als halbiert, berichtet die Unternehmensberatung EY. „Immerhin hat sich die Transaktionstätigkeit auf dem niedrigen Niveau des zweiten Halbjahres 2018 stabilisiert. Damit dürfte die Talsohle erreicht sein“, glaubt Yi Sun, China-Expertin bei EY.

„Wenige attraktive Kandidaten“

Größte Transaktion hierzulande zwischen Januar und Juni war der Kauf einzelner Geschäftsbereiche des Kupferproduzenten KME durch Zhejiang Hailiang für 136 Millionen Dollar (rund 122 Millionen Euro). In Europa lag der Einstieg der chinesischen Evergrande Group beim schwedischen Elektroautohersteller NEV, dem Nachfolge-Unternehmen von Saab, für 930 Millionen Dollar an der Spitze. Sun erklärt die aktuelle Zurückhaltung aus dem Reich der Mitte allerdings auch damit, dass „es derzeit relativ wenige attraktive Übernahmekandidaten gibt, die für die Chinesen interessant wären“.

Das Interesse an europäischen Firmen sei aber grundsätzlich weiter groß. „Nach wie vor kaufen einige chinesische Unternehmen in Europa Kernkompetenzen für ihre ambitionierten Strategien zu – das beste Beispiel ist die aktuelle europaweite Einkaufstour des chinesischen Evergrande-Konzerns im Bereich der Elektromobilität.“ Auf der anderen Seite interessierten sich die Chinesen immer noch sehr für klangvolle Namen aus Europa etwa im Konsumgüterbereich.

Einzelne große Transaktionen seien weiter möglich, wie der Einstieg des chinesischen Autokonzerns BAIC bei Daimler gezeigt habe. BAIC hatte Ende Juli fünf Prozent der Aktien des Stuttgarter Konzerns im Wert von rund 2,4 Milliarden Euro erworben. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr in Europa 81 Übernahmen und Beteiligungen durch chinesische Unternehmen nach 113 im Vorjahreszeitraum. Da kaum große Transaktionen registriert wurden, schrumpfte deren Wert sogar von 15,3 auf nur noch 2,4 Milliarden Dollar oder 2,15 Milliarden Euro. In Deutschland waren es nach 25 Transaktionen im Vorjahreszeitraum nur noch elf.

Neben KME ging es dabei um das Berliner Big-Data-Unternehmen Data Artisans, das für 92 Millionen Euro vom Internet-Konzern Alibaba gekauft wurde, um die Beteiligung von Masterwork für knapp 72 Millionen Euro an Heidelberger Druck und den Kauf des Modeunternehmens Tom Tailor durch die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun für rund 50 Millionen Euro.

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