Wirtschaft

Smartphones Apple erreicht Absatzziele nicht / US-Börsen auf Talfahrt / Konkurrent Qualcomm setzt Verkaufsverbot in Deutschland durch

Chinesen verschmähen iPhones

Cupertino/München.Das vergangene Weihnachtsgeschäft ist für Apple deutlich schlechter gelaufen als erwartet. Der iPhone-Konzern senkte die Umsatzprognose für die vergangenen drei Monate auf 84 Milliarden Dollar, während noch im November 89 bis 93 Milliarden erwartet worden waren. Die gesenkten Ziele und beunruhigende Stimmungsdaten aus der US-Industrie schickten gestern die US-Börsen steil auf Talfahrt. Die Aussagen des Technologieriesen hätten die bereits bestehenden Sorgen der Anleger um die allgemeine Wirtschaftslage weiter verstärkt, hieß es. Der Leitindex Dow Jones Industrial sank am zweiten Handelstag des neuen Jahres um 2,83 Prozent auf 22 686,22 Punkte. Auch die anderen US-Börsenindizes gaben kräftig nach.

Die Korrektur gehe vor allem auf die schwächeren iPhone-Verkäufe in China zurück, betonte Konzernchef Tim Cook. Apple habe die wirtschaftliche Abschwächung in dem Land und ihre Folgen unterschätzt. Zu diesem Abschwung habe auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China beigetragen.

Rückgang um knapp ein Fünftel

Aber auch in einigen entwickelten Märkten seien nicht so viele Nutzer auf neue iPhones umgestiegen wie gedacht, räumte Cook ein. Der US-Konzern habe im Weihnachtsquartal rund 64 Millionen iPhones verkauft, schätzte die Finanzfirma BTIG. Das wären 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Für das laufende Quartal rechnet BTIG-Analyst Walt Piecyk mit 42,5 Millionen abgesetzten iPhones – ein Rückgang von 19 Prozent.

Die Probleme von Apple in China schüren die Sorge, dass die Konjunkturschwäche auf die Verbraucher-Ausgaben durchschlägt und auch andere Unternehmen trifft, die stark von dem Riesenmarkt abhängig sind. Das Weihnachtsquartal ist traditionell das lukrativste für Apple. Der Konzern stellte in diesen drei Monaten mehrfach Rekorde bei Umsatz und Gewinn auf. Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt und brachte zuletzt rund 60 Prozent der gesamten Erlöse ein. Schon im laufenden Weihnachtsgeschäft häuften sich die Alarmsignale. Mehrere Medien berichteten, Apple habe die Produktionsaufträge an iPhone-Fertiger gesenkt. Speziell in China sind seit Jahren einheimische Anbieter wie Xiaomi oder Huawei auf dem Vormarsch.

Auch an juristischer Front wächst der Ärger für den US-Konzern. Der Chiphersteller Qualcomm hat das vor Gericht erstrittene Verkaufsverbot für mehrere iPhone-Modelle in Deutschland in Kraft gesetzt. Gemäß dem Urteil seien als Sicherheit 1,34 Milliarden Euro hinterlegt worden, teilte Qualcomm mit. Das Verkaufsverbot betrifft die Modelle iPhone 7 und 8 sowie das iPhone X von 2017. Das Landgericht München hatte am 20. Dezember die Verletzung eines Qualcomm-Patents durch Apple festgestellt. Qualcomm bekam das Recht, ein Verkaufsverbot durchzusetzen, wenn der Konzern die Sicherheitsleistung hinterlegt. Die Unternehmen streiten über das Ausmaß des Verkaufsverbots.

Apple teilte mit, dass das iPhone 7 und das iPhone 8 lediglich in den 15 deutschen Apple Stores nicht mehr verkauft werden sollen. Das iPhone X hat Apple bereits durch das XS ersetzt. Über Mobilfunk-Betreiber und andere Händler würden weiterhin alle Modelle verfügbar bleiben. Qualcomm forderte hingegen, die Geräte bei allen Einzelhändlern einzuziehen. dpa