Wirtschaft

Geldanlage Corona-Krise treibt Goldpreis auf Rekordhoch / Feinunze bei mehr als 1944 US-Dollar

Comeback des „Krisenmetalls“

Frankfurt/Main.Vielen Anlegern gilt Gold als sichere Geldanlage in unsicheren Zeiten, doch zuletzt schien das „Krisenmetall“ selbst in der Krise zu sein. Egal,

was auch Schlimmes passierte – Gold war nie so recht gefragt. Fast schien es, als sei Gold an den Finanzmärkten aus der Mode gekommen. Doch inzwischen

hat sich der Wind gedreht: Inmitten der Corona-Pandemie hat der Goldpreis am Montag seinen mittlerweile fast eine Dekade alten Rekord übertroffen. Mit 1944,71 US-Dollar kletterte die Feinunze (31,1 Gramm) auf ein Allzeithoch, pendelte sich aber im Laufe des Tages auf einen Wert um 1940 US-Dollar ein.

Der alte Höchststand hatte bei 1921 Dollar gelegen. Erreicht wurde er im Spätsommer 2011, als an den Finanzmärkten die Euro-Krise tobte und der gemeinsame Währungsraum fast aus den Angeln gehoben wurde. So weit kam es nicht, doch damals waren viele Anleger verunsichert. Sie suchten in dem als wertstabil geltenden Edelmetall Schutz vor Währungsverlusten.

Materielle Ängste

Neun Jahre später ist Gold wieder angesagt. Und erneut sorgt eine große Krise dafür, dass materielle Ängste aufkommen. Dieses Mal ist es nicht nur eine Krise im Herzen Europas, sondern eine, die die ganze Welt erschüttert. Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass die meisten Volkswirtschaften nahezu gleichzeitig ihren Betrieb zeitweilig einstellen mussten. So etwas hat es in Friedenszeiten noch nicht gegeben. Es ist eine Krise wie gemacht für Gold.

Dabei ist Gold eigentlich keine besonders gute Geldanlage. Sein Preis schwankt im Zeitverlauf mitunter stark. Zudem profitiert die Goldanlage nur von Wertsteigerungen. Regelmäßige Erträge wie Zinsen oder Dividenden gibt es nicht. Aber Gold hat einen Vorteil: Es ist selten. Das Edelmetall gilt vielen als Krisen- und Inflationsschutz, weil es nicht beliebig vermehrt werden kann.

Dass Gold gegenwärtig wieder so stark gefragt ist, hat aber noch weitere Gründe. Zunächst weiß niemand, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickeln wird. Wird es einen wirksamen Impfstoff geben, der ein halbwegs normales Leben wie vor dem Virus ermöglicht? Außerdem sind die wirtschaftlichen Folgen so umfassend, dass konkrete Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind. Eine Ursache für die steigende Nachfrage nach Gold ist die rapide steigende Verschuldung von Staaten und Unternehmen. Hinzu kommt, dass die Corona-Krise auch unmittelbare Auswirkungen auf die Fördermenge hat. Experte Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel beim Handelshaus Heraeus, verwies auf Aussagen des Interessenverbands World Gold Council. Demnach sei die Minenproduktion in wichtigen Förderländern im ersten Quartal um drei Prozent auf das niedrigste Volumen seit 2015 gesunken.

Kritische Stimmen sagen, die Verschuldung führender Industriestaaten wachse in derart gigantischem Ausmaß, dass sie sich allein durch starkes Wirtschaftswachstum nicht tilgen lasse. Der Ausweg laute deshalb: Zinsen niedrig halten, Inflation ignorieren. Diesem Risiko einer schleichenden Geldentwertung wollen sich viele Anleger entziehen, indem sie Sach- anstatt Geldwerte halten. Grundstücke etwa – oder eben Gold.

Schleichende Geldentwertung

Darüber hinaus sind die Zinsen in vielen Ländern faktisch nicht mehr existent. Über die genauen Gründe streiten sich die Gelehrten, doch sind sich Ökonomen relativ einig, dass nicht die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken allein Schuld daran trägt. Zinslosen Anlagen wie Gold jedenfalls gibt der Wegfall der Zinsen Auftrieb. Denn dadurch fällt das Fehlen regelmäßiger Erträge kaum mehr ins Gewicht.

Wie es mit dem Goldpreis weitergeht, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten. „Zwar rechnen wir nicht mit einer starken Zunahme der Inflation, doch angesichts der Aussicht auf eine noch für sehr lange Zeit anhaltende Phase extrem niedriger Zinsen ist der Goldpreis auch mittelfristig gut unterstützt“, sagte beispielsweise Rohstoffexpertin Gabriele Widmann von der Dekabank. Ihrer Einschätzung zufolge könnte es aber nach der aktuellen Rekordjagd durchaus zu einer Korrektur beim Goldpreis kommen. dpa

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