Wirtschaft

Deutsche Börse Geldinstitut hat sich seit der Finanzkrise nicht wirklich erholt / Dramatischer Wertverlust – Aktie von 100 auf acht Euro gesunken

Commerzbank fliegt wohl aus dem Dax

Archivartikel

Frankfurt.Schön sei es nicht, räumt Commerzbank-Chef Martin Zielke zumindest ein. Um immer gleich hinzufügen, dass es am Geschäft des Instituts auch für die Kunden nichts ändere. Man bleibe die führende Mittelstandsbank in Deutschland. Viele glauben freilich, dass der Banker den bevorstehenden Abstieg der Commerzbank aus dem Kreis der 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten deutschen Konzerne unterschätzt. Nicht nur für das Renommee des Geldhauses ist der Rauswurf nach 30 Jahren nicht gut, auch Investoren dürften sich abwenden. Und dem Bund dürfte es nicht gefallen: Mit 15,6 Prozent ist er immer noch größter Aktionär der Commerzbank.

Problematische Übernahme

Morgen entscheidet die Deutsche Börse über die neue Zusammensetzung des Dax. Die Commerzbank – Börsenwert aktuell nur noch rund 10,2 Milliarden Euro – wird dem wesentlich kleineren, aber gemessen am Börsenwert doppelt so großen Zahlungsanbieter Wirecard weichen müssen.

Es ist der Tiefpunkt einer Entwicklung, die bereits vor zehn Jahren mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ihren Anfang nahm. Nur kurze Zeit später folgte die Lehman-Pleite, die auch die Commerzbank schwer traf.

Seit der Übernahme der Dresdner ist die Commerzbank auf Talfahrt. 2006 kostete die Aktie noch mehr als 100 Euro, heute sind es nur noch gut acht Euro. Dabei gab es seit 2008 insgesamt zehn Kapitalerhöhungen, die Zahl der Aktien hat sich dadurch verzwanzigfacht. Damit wird der Wertverlust für die Aktionäre noch dramatischer. Nur einmal seit 2008 hat die Commerzbank eine Dividende ausgeschüttet. Immerhin soll es für 2018 wieder eine Zahlung geben.

Martin Blessing, Zielkes Vorgänger, der damals die Übernahme feierte, hat die Commerzbank 2016 vorzeitig verlassen und zählt heute zum Top-Management der schweizerischen UBS. Zielke versucht seitdem, die Bank auf Vordermann zu bringen, was nur allmählich gelingt. Er hat das Investmentbanking stark beschnitten, baut mehr als 7000 Stellen ab, setzt auf den Mittelstand und das Privatkundengeschäft. Und hält weiter an Filialen fest. Verglichen mit dem Oktober 2016 sollen bis 2020 zwei Millionen neue Privatkunden gewonnen werden. 800 000 sind es bislang. An der Börse aber überwiegt die Skepsis.