Wirtschaft

Finanzen Institut trotz überraschend gutem Quartal fürs Gesamtjahr pessimistisch / Vermögenden Privatkunden drohen Negativzinsen

Commerzbank kassiert Gewinnziel

Frankfurt.Die Commerzbank glaubt nicht mehr an eine Gewinnsteigerung in diesem Jahr – trotz eines überraschend guten dritten Quartals. Der Frankfurter MDax-Konzern kassierte am Donnerstag das Ziel, den Konzernüberschuss 2019 leicht zu steigern. Der Vorstand erwartet nun, dass der Überschuss unter den 865 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr landen wird.

„Wir stellen bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele“, ließ Konzernchef Martin Zielke mitteilen. „Wunschdenken ist angesichts niedriger Zinsen, Konjunktureintrübung und geopolitischer Unsicherheiten nicht angesagt.“ Ein zusätzlicher Grund für die pessimistischere Prognose ist nach Angaben des Instituts, dass die Bank mit dem Bund als Großaktionär mit einer „deutlich höheren Steuerquote“ rechne.

Kundenzahl gestiegen

Wie die Geschäfte im Sommer gelaufen sind, hatte die Bank schon Ende Oktober mitgeteilt: Der Überschuss kletterte zum Vorjahreszeitraum um rund 35 Prozent auf 294 Millionen Euro. Dies jedoch vor allem dank des Verkaufs der Tochter Ebase. Auch gesunkene Kosten und weniger Vorsorge für faule Kredite schlugen sich positiv nieder.

Im Tagesgeschäft lief es ebenfalls besser als vor Jahresfrist: Die Erträge legten um zwei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn erhöhte sich um knapp 30 Prozent auf 448 Millionen Euro. Die Zahl der Privat- und Unternehmerkunden stieg um 141 000 auf 11,2 Millionen.

Strafzinsen für das Gros ihrer Privatkunden schließt die Commerzbank nach wie vor aus. Es gebe derzeit nicht die Absicht, die Kosten der Negativzinsen an kleine Privatkunden weiterzugeben, betonte Finanzvorstand Stephan Engels. Kunden, die „deutlich mehr als eine Million Euro“ auf dem Bankkonto haben, versuche die Commerzbank aber von alternativen Anlagemöglichkeiten zu überzeugen. „Bei privaten Kunden kehren wir die Treppe von oben, wir sind da im Moment aber noch weit weg von irgendeiner Annäherung an die Grenze von 100 000 Euro“, sagte Engels. „Wir wollen die Kunden nicht vertreiben, sondern wir wollen ein Problem, das wir alleine nicht mehr tragen können, vernünftig managen.“ Bei Firmenkunden sind Negativzinsen schon seit geraumer Zeit Usus. dpa

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