Wirtschaft

Finanzen Institut plant harte Einschnitte / 2300 Vollzeitstellen sollen wegfallen / Mögliche Auswirkungen auf die Metropolregion noch offen

Commerzbank will jede fünfte Filiale schließen

Archivartikel

Frankfurt.Die Commerzbank wird aufgrund des anhaltenden Wettbewerbsdrucks die Selbstständigkeit der Onlinebank Comdirect aufgeben, sie in den Konzern integrieren und weitere drastische Einsparungen vornehmen. Bis 2023 sollen rund 200 der aktuell 1000 Filialen geschlossen und netto 2300 Vollzeitstellen gestrichen werden. Entlassungen soll es aber nicht geben, der Abbau soll sozialverträglich erfolgen.

Zu möglichen Auswirkungen auf die Metropolregion Rhein-Neckar machte eine Commerzbank-Sprecherin gestern keine Angaben. Die angestrebten Einsparungen kosten die Bank voraussichtlich erst einmal 850 Millionen Euro, sollen aber das Kostenniveau ab 2023 um jährlich 600 Millionen auf dann noch 5,5 Milliarden Euro drücken. Durch das „Strategieprogramm 5.0“ stelle sich die Bank „zukunftssicher“ auf, wie das Institut am Freitag mitteilte.

Mit Hilfe des Programms will die Commerzbank eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent erreichen. Dies soll auch ermöglichen, dass die Aktionäre wieder regelmäßig eine Dividende erhalten. Ein konzernweiter Stellenabbau ist nach Angaben der Bank dafür „leider unvermeidlich“. Brutto sollen 4300 Vollzeit-Arbeitsplätze wegfallen. In strategischen Bereichen sollen im Gegenzug aber rund 2000 neu geschaffen werden.

Mobiles Geschäft wird ausgebaut

Das Programm zum Stellenabbau soll in den nächsten Monaten ausgearbeitet und gemeinsam mit dem Betriebsrat beraten werden. Der reagierte dem Vernehmen nach verhalten auf die Ankündigungen. Man habe mit solchen Maßnahmen gerechnet, hieß es in der Bank. Ende Juni zählte die Bank noch 40 700 Vollzeitstellen. Bis Ende 2020 ist ohnehin ein Abbau auf 38 000 geplant.

Ausgebaut werden soll das mobile Bankgeschäft. Da dass auch im Konzern immer stärker verankert wird, soll die Comdirect mit der Commerzbank zusammengeführt werden. Da die Comdirect ebenfalls an der Börse notiert ist, soll den außenstehenden Aktionären ein Abfindungsangebot unterbreitet werden. Die Commerzbank selbst hält bereits 82 Prozent der Anteile an der Comdirect.

Trotz der 200 Schließungen bleibe das Filialnetz eine feste Säule des Geschäftes, betont das Institut. Auch die Mittelstandsbank soll gestärkt werden. Um die Kosten für Filialschließungen und Stellenabbau sowie die geplanten Investitionen zu finanzieren, will das Geldhaus seine Mehrheitsbeteiligung an der polnischen M-Bank verkaufen.

Das Programm ist ein Entwurf, es soll kommende Woche im Aufsichtsrat erörtert werden. Der Vorstand habe bislang noch keine Entscheidung getroffen. „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, hatte Vorstandschef Martin Zielke noch Anfang August bei der Vorlage des Zwischenberichts gesagt und eine Aktualisierung der Strategie angekündigt. Zielke wollte sie eigentlich erst Ende nächster Woche vorstellen. Am Freitag allerdings drangen erste Einzelheiten durch, so dass sich die Bank zu einer vorzeitigen Mitteilung entschied.

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