Wirtschaft

Finanzen Robo Advisor bieten im Internet Hilfe bei der Vermögensverwaltung / Verbraucherschützer kritisieren fehlende Transparenz

Computer ersetzt Bank-Berater

Archivartikel

Frankfurt.Seit einiger Zeit machen sie der klassischen Bank-Beratung Konkurrenz: Sogenannte Robo Advisor, vereinfacht gesagt, Maschinen-Anlageberater. Dabei läuft die Vermögensverwaltung digital über das Internet, die Anlagestrategie übernimmt der Computer nach den Präferenzen und Möglichkeiten des Anlegers.

Quirion, Whitebox, Scalable Capital, Robin, Ginmon, Vaamo oder fintego sind nur einige der Anbieter, die durchaus mit Erfolg agieren. Sie zählen mittlerweile Zehntausende Kunden. Experten kritisieren allerdings, dass die Wertentwicklung zum Teil enttäuschend ist und es an Transparenz mangelt.

Mit Menschen hat es der Anleger, wie der Name schon sagt, bei einem Robo Advisor nicht zu tun. Wer sich dort einklinkt, wird von einer Maschine befragt: nach seinen persönlichen Daten, seiner Anlagesumme, der gewünschten Laufzeit und danach, wie viel Risiko er eingehen will.

Auf dieser Basis unterbreitet der Robo Advisor Vorschläge. In der Regel wird das Vermögen auf sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) aufgeteilt. Das sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen Index nachbilden. Also etwa den Deutschen Aktienindex Dax, den Weltaktindex MSCI World oder auch einen Anleihe-Index. Legt etwa der Dax zu, steigt auch der Wert des ETF und umgekehrt.

Wertentwicklung schwankt stark

Wie das Vermögen des Anlegers aufgeteilt wird, entscheidet der Algorithmus, den der Robo Advisor einsetzt. Er soll einen neutralen, auf höchstem wissenschaftlichem Niveau basierenden Prozess garantieren, wie etwa Scalable oder Whitebox versprechen. Für den Anleger durchschaubar ist dieser Prozess nicht. Und die Ergebnisse sind höchst unterschiedlich.

So haben Vergleichsportale für die vergangenen beiden Jahre eine Wertentwicklung nach Gebühren und Steuern ermittelt, die zwischen 5,3 und fast 12 Prozent schwankt. Das heißt: Robo Advisor und ihre Computer sind nicht per se besser als Banken oder Vermögensverwalter. „Ein und derselbe Verbraucher, der einfach nur 10 000 Euro langfristig bedarfsgerecht anlegen möchte, und sich hierzu von zwei Banken und zwei Robo Advisor eine Empfehlung einholt, wird vier unterschiedliche Vorschläge erhalten“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Mit am Ende vermutlich unterschiedlichen Renditen.

Nauhauser hält es für fragwürdig, dass das Gesetz von den Angeboten nur „geeignete“ Vorschläge verlangt, aber nicht definiert, was bedarfsgerecht ist, was die Anlage kosten darf und wie das Geld über verschiedene Anlageklassen gestreut werden soll, um das Risiko zu minimieren.

„Dabei sind Kosten und Diversifikation die wichtigsten Kriterien, die bei der Geldanlage die Spreu vom Weizen trennt.“ Nach Ansicht von Nauhauser müssten Aufsichtsbehörden und Warentester den jeweiligen Algorithmus zerlegen können, um in der Lage zu sein, ihn zu bewerten. Für den Quellcode müsse es eine strikte Vorgabe und Überwachung durch die Aufseher geben.

Immerhin: Bei den Kosten haben Robo Advisor Vorteile, weil ihre Prozesse automatisiert sind und sie meist kostengünstige ETF nutzen statt aktiv gemanagte und deshalb teurere Investmentfonds. In ihrer jüngsten Analyse kommt die Zeitschrift „Finanztest“ bei Robo-Advisor-Angeboten auf Kosten zwischen 0,6 und 1,87 Prozent. Bei einer Anlagesumme von 10 000 Euro sind das im günstigsten Fall 60 und im teuersten Fall 187 Euro. Auch letzteres ist freilich immer noch deutlich billiger als bei einer Bank oder Sparkasse.

Nur zwei schneiden mit „gut“ ab

Verbraucherschützer Nauhauser hält Robo Advisor – solange die Marktregeln nicht am Verbraucherinteresse ausgerichtet seien – trotz des Preisvorteils nur für eine „weitere Dienstleistung, bei der Verbrauchern suggeriert wird, sie würden individuell und objektiv die ,beste’ Beratung erhalten“.

Der jüngsten Analyse von Finanztest zufolge sind ohnehin nicht alle Anbieter empfehlenswert. Von 14 Firmen schneiden mit Quirion und Whitebox nur zwei mit „gut“ ab, vier fallen als „mangelhaft“ durch, drei werden als „ausreichend“ eingestuft. Generell seien nur drei Depots frei von Mängeln, weil sie das Geld auf Aktien- und Anleihe-ETFs verteilen. Scalable Capital, dem derzeit mit einem verwalteten Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro größten Robo Advisor, attestieren sie nur ein befriedigendes Anlagekonzept: zu viele Mängel verbunden mit Risiken.

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