Wirtschaft

Corona-Krise Elmar Degenhart erwartet wegen ausbleibender Autokäufer und Problemer in Lieferketten drastische Folgen für kleine, aber auch große Betriebe

Conti-Chef: Der Autobranche droht eine Pleitewelle

Archivartikel

Hannover/Berlin.Continental-Chef Elmar Degenhart erwartet für den Fall eines anhaltenden Nachfrageeinbruchs wegen der Corona-Krise drastische Folgen für die gesamte Autobranche. Die Politik müsse gegensteuern. Aus der SPD, die aufgrund des Ausschlusses moderner Verbrennungsmotoren aus dem Hilfspaket heftige Kritik einstecken musste, hieß es, die Unternehmen seien nun am Zug.

Degenhart sagte im Interview der Deutschen Presse-Agentur, schon der Strukturwandel aus Digitalisierung, E-Mobilität und Assistenzsystemen sei für viele kleine Firmen kaum zu schaffen. „Obendrauf kommt eine Marktkrise, die so seit 1930 nicht mehr da war. Wenn sich im Sommer keine deutliche Belebung des Marktes in Europa abzeichnet, befürchten wir trotz aller Stützungsmaßnahmen eine Reihe von Konkursen.“

In dem Dax-Konzern selbst war jüngst von einer Verschärfung des Sparkurses die Rede. „Auch bei Continental ist eine Garantie für den Fortbestand mancher Jobs nicht mehr möglich“, betonte Degenhart. „Es dürfte dazu kommen, dass wir über Kündigungen verhandeln müssen.“ Auch andere Betriebe hätten Probleme.

Der deutschen Schlüsselbranche machen ausbleibende Autokäufe und Engpässe in den Lieferketten zu schaffen. Bei Zulieferern gehen die Bestellungen in den Keller, bei Herstellern stauen sich die Wagen in den Lagern. Volkswagen meldete am Freitag einen drastischen Rückgang der Verkäufe: Im Mai rutschten die Auslieferungen des größten Autokonzerns im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund ein Drittel (33,7 Prozent) auf weltweit etwa 609 000 Fahrzeuge ab. „Das zweite Quartal wird wohl wirtschaftlich das schwierigste der Nachkriegszeit werden“, sagte Degenhart.

„Wirkung wird begrenzt bleiben“

Das Konjunkturprogramm des Bundes sieht der Manager mit gemischten Gefühlen. Die Absenkung der Mehrwertsteuer werde zwar „einen gewissen Effekt“ haben. Aber der Ausschluss moderner Verbrenner aus den Autokaufprämien sei für ihn enttäuschend, erklärte Degenhart: „Man muss sich vergegenwärtigen, dass E- und Hybridautos in Deutschland einen Marktanteil von acht Prozent haben. Das zeigt, dass die Wirkung begrenzt bleiben wird.“

SPD-Bundestagsfraktionschef Rolf sagte, dass einige Autobauer zu spät auf E-Mobilität gesetzt haben. „Das wissen die Beschäftigten auch.“ Die verringerte Mehrwertsteuer könne durchaus als Konjunkturstütze wirken: „Die Autobauer sollten die Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucher weitergeben und mit eigenen Prämien ergänzen.“ Degenhart hält einen Komplettwechsel auf alternative Antriebe gegen 2040 für möglich. 

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