Wirtschaft

Aufsichtsrat Vorsitzender räumt Versäumnisse bei möglichem Interessenkonflikt ein / Auslöser war ein Bericht in dieser Zeitung

Cordes: Aussage war „ungenau und irreführend“

Archivartikel

Mannheim.Eckhard Cordes, Aufsichtsratschef des Bilfinger-Konzerns, räumt als Reaktion auf einen Bericht dieser Zeitung Fehler ein. Konkret geht es darum, dass Cordes nicht nur das Kontrollgremium des Mannheimer Industrieservice-Konzerns führt, sondern auch Aufsichtsrat der Kommunikationsagentur WMP ist. Genau diese Agentur beriet von Februar bis Ende 2018 den früheren Bilfinger-Vorstandsvorsitzenden Roland Koch.

Das Brisante daran: Koch ließ sich in Sachen eigenes Image beraten, weil der Bilfinger-Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Cordes Schadenersatz in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags von ihm und elf weiteren Ex-Vorständen verlangt hatte.

Cordes erklärte nun gestern bei der Hauptversammlung im Mannheimer Rosengarten, er habe im Mai 2018 den Aufsichtsrat über diesen möglichen Interessenkonflikt informiert, als er erfahren habe, dass Koch von WMP beraten wird. Er sehe aber „nicht ansatzweise“ einen solchen Interessenkonflikt, dieser Einschätzung hätten sich seine Kollegen angeschlossen.

Diese Zeitung hatte vor rund einem Monat über die Doppelfunktion und den WMP-Beratungsauftrag für den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Koch berichtet. Auf Anfrage hatte Bilfinger mitgeteilt, der Aufsichtsrat sehe „keinen Interessenkonflikt“. Diese Aussage korrigierte Cordes gestern vor rund 700 Aktionären. Sie sei „ungenau und irreführend“. Denn inzwischen habe er sich juristisch entsprechend informiert. Dabei sei klar geworden, dass er den Aufsichtsrat „ausdrücklicher und detaillierter“ in Form einer ausführlichen Diskussion hätte informieren müssen.

Dieses Versäumnis sei nach dem Bericht dieser Zeitung bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates am 10. April mit einer „eingehenden Diskussion“ nachgeholt worden. Dabei sei aber kein Interessenkonflikt bei Cordes festgestellt worden. Marc Tüngler, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, begrüßte das Eingeständnis von Cordes.

Cordes führt seit 2014 den Bilfinger-Aufsichtsrat, zuvor war er Chef des Metro-Konzerns. Gleichzeitig ist er Partner der schwedischen Investmentgesellschaft Cevian Capital. Cevian ist mit knapp 30 Prozent der größte Anteilseigner von Bilfinger, der Investor gilt als sehr aktiv, das heißt er übt großen Einfluss auf die Geschäftsentscheidungen aus. Cordes hat außerdem einen Sitz im Kontrollgremium des Autokonzerns Volvo. be