Wirtschaft

Gesundheit Mannheimer Großhändler darf bestimmte Medikamente nur noch in begrenzten Mengen abgeben – sieht Patientenversorgung aber gesichert

Corona-Krise trifft Pharmahändler Phoenix

Mannheim.Dass es bei Medikamenten immer wieder zu Lieferengpässen kommt, ist in Deutschland nicht neu. Doch nun droht die Corona-Krise die Situation zu verschärfen. Um die Versorgung der Patienten zu sichern, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun eine „Allgemeine Anordnung“ erlassen.

Bundesinstitut beugt vor

Demnach erhalten Pharmagroßhändler bestimmte Medikamente nur noch kontingentiert – also in begrenzten Mengen – und dürfen diese nur mit Beschränkungen an Apotheken weitergeben. Der Mannheimer Pharmahändler Phoenix begrüßt das Vorgehen. „Die Anordnung versetzt Phoenix in die Lage, die Abgabe auf bedarfsgerechte Mengen zu reduzieren“, teilt das Unternehmen auf Anfrage schriftlich mit. Sprich: Apotheken erhalten nur das, was die Patienten tatsächlich benötigen. Als Basis dienen laut BfArM die „Abgabemengen des Vorjahres“.

Das Bundesinstitut befürchtet, dass es „aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie unter anderem zu Produktions- oder auch Transportunterbrechungen kommen kann. In der Tat wirkt sich die Corona-Krise gleich doppelt auf die Verfügbarkeit von Medikamenten aus. So gibt es in der vom neuen Coronavirus im Januar und Februar besonders stark getroffenen chinesischen Provinz Hubei mehrere Produzenten von Ausgangsstoffen für die Pharmaindustrie. Diese konnten längere Zeit nicht liefern.

Ein weiteres Phänomen ist das Horten von Medikamenten. Thomas Luft, Sprecher für Mannheim und die Region beim baden-württembergischen Apothekerverband, berichtet, dass sich in der vergangenen Woche viele Patienten mit Medikamenten eingedeckt hätten. Auch die vorübergehende Warnung der Weltgesundheitsorganisation WHO, statt des Schmerzmittels und Fiebersenkers Ibuprofen lieber Paracetamol zu verwenden, hat offenbar zu Hamsterkäufen geführt. „Wir haben in zwei Monaten so viel Paracetamol verkauft wie sonst in einem Jahr“, berichtet Luft, der selbst eine Apotheke in Neckarhausen betreibt. Nach Angaben von Phoenix sind paracetamolhaltige Arzneimittel von der Begrenzung betroffen.

Am Dienstag waren fast 300 Medikamente und Medizinprodukte nicht erhältlich. „Das reicht vom Antibiotikum über den Blutdrucksenker bis zum Desinfektionsmittel“, sagt Luft. Patienten müssen sich nach seinen Angaben aber keine Sorgen machen. Denn es gebe fast immer gleichwertige Alternativen.

Ähnlich argumentiert auch Phoenix: „Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind nicht mit therapeutisch relevanten Versorgungsengpässen für Patientinnen und Patienten gleichzusetzen.“. Phoenix ist einer der führenden Pharmahändler in Europa. Jeden Tag stellt er rund zehn Millionen Arzneimittel in 27 Ländern zu.

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