Wirtschaft

Agrar II Sinkende Preise lassen Gewinn des Mannheimer Bioethanol-Herstellers im ersten Quartal einbrechen / Ladenhüter E10

CropEnergies startet schwach

Mannheim.„Unterdurchschnittlich.“ So beschreibt CropEnergies-Vorstandschef Joachim Lutz (kleines Bild) die ersten drei Monate des neuen Geschäftsjahres. Sinkende Preise für Bioethanol haben den Mannheimer Hersteller schwer belastet. Der Umsatz ist zurückgegangen, das operative Ergebnis auch. Schon Mitte Juni hatte CropEnergies bereits Eckdaten vorgelegt und die Prognose gesenkt.

Die Südzucker-Tochter stellt aus Zuckerrüben und Getreide Bioethanol her, das an Ölkonzerne verkauft und dann Spritsorten wie E10 beigemischt wird. Es soll weniger Treibhausgase verursachen als Benzin aus Erdöl.

Doch der Marktanteil liegt hierzulande gerade einmal bei 13 Prozent. Auch sieben Jahre nach seiner Einführung führt der Biosprit ein Nischendasein. Lutz erklärt das mit schwachen Anreizen für Verbraucher – vor allem beim Preis an der Zapfsäule. In Ländern wie Frankreich und Belgien sei der Preisabstand zu Normalbenzin höher, Autofahrer könnten mehr sparen, sagt Lutz. Sprit mit Bioethanol werde dort weniger durch die Mineralölsteuer belastet als in Deutschland. „Der Absatz von E10 ist stabil – aber er muss steigen.“

Verunsicherte Autofahrer

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) erklärt sich den geringen Marktanteil von E10 mit der aus seiner Sicht unglücklichen Markteinführung. „Damals wurden die Autofahrer sehr schlecht informiert, die Unsicherheit war groß. Auch heute stehen viele dem Kraftstoff skeptisch gegenüber“, sagt Michael Uhrig, Technikexperte beim ADAC Nordbaden, der die Regionen Mannheim, Heidelberg und Tauberbischofsheim einschließt. „Dabei wissen viele Autofahrer gar nicht, dass auch herkömmliches Superbenzin bis zu fünf Prozent Bioethanol enthält.“

Immer wieder steht E10 im Verdacht, den Motor kaputtzumachen. Der ADAC hat bei Langzeittests „keinerlei Schäden“ bei Fahrzeugen festgestellt, die für E10 freigegeben waren. „Wenn ein Fahrzeug vom Hersteller die Freigabe bekam, sind keine Schäden zu erwarten – und man kann bedenkenlos zur günstigeren Spritsorte E10 greifen“, erklärt Uhrig. In Deutschland beträgt der Preisabstand zu herkömmlichem Benzin in der Regel zwei Cent.

„Wichtiges Signal aus Brüssel“

Zuletzt hat CropEnergies die Produktion etwas zurückgefahren. Vorstandschef Lutz sieht erste Anzeichen dafür, dass sich die Preise für Bioethanol erholen. Hoffnung macht dem Unternehmen auch eine kürzlich erfolgte Einigung von EU-Gremien in Brüssel, den Mindestanteil erneuerbarer Energien im Verkehr von zehn Prozent im Jahr 2020 auf 14 Prozent im Jahr 2030 zu steigern. Laut CropEnergies ergeben sich daraus Chancen für die Umwelt und die Biokraftstoffbranche. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagt Lutz.

Die Anleger scheinen diese Hoffnung noch nicht zu teilen. Gestern verlor der Aktienkurs von CropEnergies mehr als zwei Prozent. Nächste Woche spricht Vorstandschef Lutz zu den Aktionären auf der Hauptversammlung im Mannheimer Rosengarten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 soll eine fünf Cent niedrigere Dividende von 25 Cent je Aktie gezahlt werden.

Doch zuvor berichtet Südzucker heute vom ersten Quartal. Auch der Mutterkonzern kämpft mit ähnlichen Problemen: Die Zuckerpreise steigen voraussichtlich nur schleppend, schätzt Analyst John Ennis von Goldman Sachs. „Das Überangebot auf dem Markt dürfte weiter bestehen bleiben.“

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