Wirtschaft

Eichbaum-Werbung Ein islamisches Glaubensbekenntnis auf Bierflaschen und eine Entschuldigung versetzen das Internet in Aufruhr

„Da sieht man, was Ahnungslosigkeit auslösen kann“

Archivartikel

Mannheim.Was als nette Werbeaktion gedacht war, hat für die Eichbaum-Brauerei in einer Marketing-Katastrophe geendet. Gestern zog das Mannheimer Unternehmen die Notbremse und stoppte die Auslieferung von speziell gestalteten Flaschen, die unter anderem die saudi-arabische Flagge zeigten.

Anlässlich der Fußball-WM hatte die Brauerei ihre Flaschen mit besonderen Kronkorken versehen. Darauf abgebildet: die Nationalflaggen der 32 teilnehmenden Länder. Auf der von Saudi-Arabien aber befindet sich das muslimische Glaubensbekenntnis in arabischer Schrift („Es gibt keine Gottheit außer Gott und Mohammed ist sein Gesandter“), was unter vielen gläubigen Muslimen für Empörung sorgte. Eine Entschuldigung durch Eichbaums Marketing-Chef Holger Vatter-Schönthal wiederum löste bei islamkritischen Deutschen den nächsten Sturm der Entrüstung aus.

Auch iranische Flagge vertreten

Allein die Entschuldigung von Vatter-Schönthal via Facebook wurde bis gestern Nachmittag 1355 mal kommentiert. Im Zentrum der Kritik: die Verbindung von Glaubensbekenntnis und dem im Islam verbotenen Alkohol. Auch die Tatsache, dass der heilige Text mit den Kronkorken im Müll landen werde, wurde im Internet als „respektlos“ und „beleidigend“ bezeichnet. Die Abbildung der Iran-Flagge, die ebenfalls arabische Schriftzüge enthält („Gott ist am größten“), löste hingegen bis gestern keine Proteste aus.

Für das Mannheimer Unternehmen kam die Aufregung offenbar völlig unerwartet. „Seit vielen Jahren druckt Eichbaum zur Fußball-WM die Länderflaggen (...) auf die Kronkorken. Dies ist lediglich ein Zeichen der Freude“, hieß es vonseiten der Brauerei. Auch den Mannheimer Marketing-Professor Florian Stahl haben die heftigen Reaktionen in den sozialen Netzwerken gewundert. „Das hat man so nicht vorhersehen können“, sagte er.

Allerdings betonte Stahl gleichzeitig, dass es wichtig sei, in Werbemaßnahmen verwendete Schriftzeichen immer auf ihre Bedeutung hin zu überprüfen – „egal, ob es sich um chinesische, hebräische oder arabische Schrift handelt“. Dies zu unterlassen, sei „ein bisschen naiv, wenn nicht gar ein bisschen fahrlässig.“ Der Eichbaum-Marketing-Chef hatte in seiner Entschuldigung eingeräumt: „Wir wussten tatsächlich nicht, dass die Schriftzeichen ein Glaubensbekenntnis darstellen.“

Dieses aber gilt Muslimen als heilig. In Saudi-Arabien wird die Flagge, auf der es zu lesen ist, mit allerhöchstem Respekt behandelt. Sie darf beispielsweise nicht auf Halbmast gesetzt und schon gar nicht vernichtet werden.

„Da sieht man, was Ahnungslosigkeit auslösen kann“, sagte die aus Mannheim stammende Islamwissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Professorin fand deutliche Worte: „Ein Glaubensbekenntnis hat grundsätzlich auf keiner Werbeaktion etwas zu suchen, gleichgültig, welche Religion es betrifft.“ Es verwundere nicht, wenn sich gläubige Muslime empörten. Bei der Werbeaktion habe es sich um eine Schnapsidee gehandelt, schließlich sei eine Nationalfahne von großer Symbolkraft – „auch wenn sie bei uns weitgehend verloren gegangen scheint“.

Abdel-Hakim Ourghi, Islamwissenschaftler in Freiburg, zeigte hingegen weniger Verständnis für die Reaktionen. „Ich verstehe nicht, warum die Muslime sich so aufregen“, sagte er dieser Zeitung. Es sei an der Zeit, „Abschied zu nehmen von der Opferrolle, von dem Gedanken, Muslime würden immer missverstanden“, so der Deutsch-Algerier. Es dürfe nicht sein, dass Kleinigkeiten wie ein Kronkorken Menschen trennen.

Tatsächlich nahmen Islamkritiker die Eichbaum-Reaktion ebenfalls zum Anlass für heftige Worte. Die AfD etwa sprach von „Unterwerfungsbier“, grenzwertige – und mitunter grenzüberschreitende – Kommentare häuften sich unter der Entschuldigung. „Um weitere Beleidigungen zu verhindern“, entschied Eichbaum, den Beitrag zu löschen.

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